
Ein Foto zeigt, wie ein Ort aussah. Eine Sketchnote zeigt, wie er sich angefühlt hat — genau das ist der Unterschied, der mich vom reinen Handlettering weg und hin zu visuellen Notizen fürs Reisetagebuch gebracht hat. Schöne Buchstaben sind wunderbar für ein Zitat auf der ersten Seite, aber wenn unterwegs schnell eine Route, ein Gipfel oder das Tagesmenü einer Hütte festgehalten werden soll, braucht es Symbole statt Schnörkel. Sketchnotes stellen Funktion vor Ästhetik, und genau das macht sie fürs Reisetagebuch gestalten so praktisch wie kaum einen anderen Lettering-Stil.
Transparenzhinweis: Ich arbeite mit Affiliate-Links. Bucht jemand darüber einen der genannten Kurse, bekomme ich eine Provision, ohne dass sich der Preis ändert. Empfohlen wird hier ausschließlich, was ich selbst am eigenen Material getestet habe.
Wer aus dem Studium das Gefühl kennt, von Information überflutet zu werden und sie visuell bändigen zu wollen, hat vielleicht schon einen Blick in den Sketchnotes Kurs zum Lernen geworfen. Für ein Reisetagebuch gilt im Kern dasselbe Prinzip, nur dass statt Vorlesungsstoff Eindrücke von unterwegs verdichtet werden.
Das visuelle Alphabet für unterwegs: Punkt, Linie, Kreis, Quadrat, Dreieck

Der Umstieg von der Kalligrafie auf Sketchnotes verlangt ein anderes Tempo. Beim Handlettering entscheidet der Druckaufbau in einem einzelnen Abstrich über das ganze Schriftbild — eine komplette Zeile Versalien, die ganz ohne Lineal gleichmäßig breit wird, ist dort das Zeichen, dass die Technik sitzt. Sketchnotes arbeiten anders: Sie bauen auf einem visuellen Alphabet aus fünf Grundformen auf, Punkt, Linie, Kreis, Quadrat und Dreieck, und daraus lässt sich fast jedes Motiv konstruieren. Ein Kreis mit drei senkrechten Strichen darüber wird zur dampfenden Kaffeetasse, ein Quadrat mit Dreieck obendrauf zum Haus oder zur Berghütte. Buchstaben-Anatomie mit x-Höhe und Oberlänge spielt hier kaum eine Rolle, weil es nicht um Schönschrift geht, sondern um Tempo.
Für den Einstieg habe ich mich für den Sketchnotes Kurs von Timothy90 entschieden, weil er genau bei diesem visuellen Alphabet ansetzt und schnell zu Übungen für Alltag und Reise kommt. Wer dagegen einfach nur entspannt ohne Reiseplanung zeichnen will, findet im Sketchnotes Kurs für den Feierabend einen ruhigeren Zugang ohne den Fokus auf Reisenotizen. Wie viel Übungsvolumen es braucht, bis sich sichtbarer Fortschritt zeigt, hängt dabei stärker von der Regelmäßigkeit als von einzelnen langen Sessions ab. Ein eigenes Thema, das hier nur am Rand berührt werden soll.
Welches Papier und welcher Stift halten dem Reisealltag stand?
Beim Papier zahlt sich Geiz nicht aus. Ein Format DIN A5 ist der praktische Kompromiss zwischen Zeichenfläche und Packmaß, aber entscheidend ist das Papiergewicht: Alles unter 120 g/m² neigt bei wasserfesten Fineliner-Tinten zum Ghosting, bei dem die Zeichnung auf der Rückseite durchscheint. Christine Albers, eine Bekannte vom Kreativ-Stammtisch, kennt die Grammaturen gängiger Papiersorten praktisch auswendig und hat mir schon mehr als einmal davon abgeraten, ein Reisenotizbuch nach dem Einband statt nach dem Papier auszusuchen. Bei den Stiften bin ich bei einer Kombination aus 0,3 mm und 0,5 mm Fineliner gelandet, wobei der dünnere für Details und Text reicht und der dickere den Konturen Stabilität gibt. Wie gut Stift und Papier zusammenspielen, ist überhaupt ein eigenes Thema, das über Ghosting und Strichbreite weit hinausgeht.

Vorher hatte ich mit billigen Faserschreibern aus dem Discounter geübt, bis die Spitzen bereits in der ersten Woche ausgefranst waren und jede Linie eher aussah wie gemalt als gezeichnet. Kein Beinbruch, aber ein guter Hinweis: Ein brauchbarer Fineliner muss eine klare, konstante Linie ziehen, ohne dass man dabei Druck ausüben muss — das schont abends auch das Handgelenk. Der Sketchnotes Kurs geht auf solche Materialfragen nur am Rand ein, weshalb sich ein eigener Test lohnt, bevor man sich auf ein festes Set festlegt.
So strukturieren Container und Symbole die Reisetagebuch-Seite
Ein Container ist im Kern nichts anderes als ein Rahmen oder eine Sprechblase, die Informationen auf der Seite ordnet, ohne dass die Fläche vollgeschrieben werden muss. Auf einer Bank vor dem Kunstmuseum Bonn habe ich die Technik zuerst an Passanten und vorbeifahrenden Radfahrern geübt, bevor ich sie im Reisetagebuch auf Wegweiser, Gepäck und Tagesrouten übertragen habe. Wichtiger als Genauigkeit ist dabei der Maßstab: Ein Symbol muss auf einer kleinen Notizbuchseite in wenigen Sekunden erkennbar sein, nicht erst nach langem Hinsehen. Wie viel Raum ein Symbol neben Text bekommt, ist dann noch einmal eine eigene Layout-Frage, die über einzelne Zeichen hinausgeht. Eine feste Bibliothek wiederkehrender Symbole spart dabei Zeit und wird andernorts für ganz andere Zwecke genutzt als fürs Reisetagebuch — hier reichen aber wenige verlässliche Motive wie Sonne, Regenwolke, Wegpfeil und eine kleine Gondel für Bahnfahrten in den Bergen völlig aus.

Schon ein einfacher grauer Pinselstift genügt oft, um einer flachen Form wie einer Gondel Tiefe zu geben — ein Schatten unter der Kabine, eine angedeutete Spiegelung im Fenster, und die Zeichnung wirkt plötzlich dreidimensional, ganz ohne aufwendige Schummertechnik. Anders als bei Untergründen wie Holz, wo die Haftung von Tinte und Farbe ein eigenes Thema für sich ist, zählt beim Reisetagebuch vor allem die Papierwahl, die schon vorher entschieden wird.
Wer solche Skizzen von Anfang an digital anlegen will, findet im Sketchnotes Kurs für das iPad einen direkteren Einstieg als über den Umweg Papier.
Analog oder digital: Was passt zum Reisetagebuch?
Digitale Sketchnotes in Procreate bieten unbestreitbare Vorteile bei Archivierung und Nachbearbeitung, aber die Übertragung analoger Übung auf ein digitales System ist ein eigenes Kapitel, das hier nur gestreift werden soll. Für mich zählt beim Reisetagebuch die Unwiderruflichkeit der Tinte: Passiert ein Klecks, muss er integriert werden, und genau das hält die Aufmerksamkeit beim eigentlichen Erlebnis statt beim Zurück-Knopf. Wer dagegen für Social Media oder berufliche Zwecke zeichnet, ist mit dem Digital Lettering Kurs besser bedient, der Layer, Pinsel-Einstellungen und einen fertigen Export-Workflow behandelt — Themen, die ich auch im Bereich Instagram Sticker gestalten vertieft habe.
Kurswahl: Sketchnotes, Handlettering oder Digital Lettering
Drei Kurse, drei unterschiedliche Ziele: Wer glatte, dekorative Schrift will, landet beim klassischen Handlettering; wer schnell strukturierte Notizen braucht, bei Sketchnotes; wer von Anfang an digital arbeitet, beim Digital Lettering Kurs. Meine Nachbarin Elisabeth Rudert zieht bis heute die klassische Zeichenfeder den modernen Brush-Styles vor und würde vermutlich nie eine Sketchnote in ihr eigenes Reisetagebuch zeichnen — für sie zählt die Schönschrift selbst, nicht das schnelle Festhalten unterwegs. Wer ganz ohne Brush Pen auskommen will, kann sich auch mit Faux Calligraphy behelfen, das ist aber ein eigenes Technikfeld mit eigenen Regeln, das hier nicht vertieft werden soll.
Der Kurspreis allein sagt wenig aus, solange unklar bleibt, wie oft das Material tatsächlich zum Einsatz kommt — ein günstiger Kurs, der im Regal verstaubt, kostet pro Übungsstunde am Ende mehr als ein teurerer, der regelmäßig genutzt wird. Auf einer wackeligen Bank unterwegs zu skizzieren statt am Tisch wirkt sich außerdem auf Haltung und Handgelenk aus, weshalb ich zwischendurch bewusst Pausen einlege. Ein Brush Pen nutzt sich zudem schneller ab, wenn er ständig lose im Rucksack landet, statt geschützt in der Federmappe zu liegen.
Für das Reisetagebuch bleibt der Sketchnotes Kurs meine erste Wahl, gerade weil er Container und Symbole so praxisnah vermittelt. Wer dagegen ohnehin schon mit dem Gedanken spielt, saubere Zitate oder Postkarten zu gestalten, sollte eher beim Handlettering Kurs einsteigen und Sketchnotes höchstens als Ergänzung mitnehmen.
Am Ende zählt, was im Heft hängen bleibt
Mein Reisetagebuch ist voller Tintenkleckse und krummer Linien, meine Fingerkuppen sind davon inzwischen chronisch blau-schwarz, aber beim Durchblättern kommt mehr zurück als bei jedem Foto vom selben Ort. Die eine Regel, die ich aus dem Kursvergleich mitnehme: erst das Werkzeug an die Aufgabe anpassen, dann über Stil nachdenken — wer auf Reisen schnell Wegpunkte und Eindrücke sichern will, braucht ein visuelles Alphabet und robustes Papier, keine perfekte Schrift. Genau deshalb bleibt der Sketchnotes Kurs für mich der richtige Einstieg, während Handlettering und Digital Lettering ihre eigenen, klar abgegrenzten Einsatzzwecke haben. Wer selbst vor dem nächsten leeren Journal sitzt und nicht weiß, wie ein Moment festgehalten werden soll: Ein Kreis und drei Striche reichen für den Anfang, der Rest kommt mit der Übung und mit dem passenden Kurs.
Sketchnotes Kurs
Vorteile
- ✓ Effektive Reduktion auf das Wesentliche durch das visuelle Alphabet
- ✓ Hoher Praxisbezug für Alltag und Reise ohne künstlerischen Druck
- ✓ Strukturierte Vermittlung von Containern und Hierarchien
Nachteile
- ○ Kein Fokus auf ästhetische Schönschrift
- ○ Setzt Lust auf analoges Skizzieren voraus