Timothy90 Kurse im Vergleich: Welches Investment lohnt sich 2026 am Küchentisch?

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Sonntagmorgen in Bonn. Die schwarze Tinte vom gestrigen Abend sitzt noch hartnäckig unter dem Nagel meines rechten Zeigefingers, trotz zweimaligem Schrubben. In meiner Excel-Tabelle, die ich seit Anfang 2024 für meine kreativen Fortschritte pflege, zeigt die Dokumentation für das erste Halbjahr 2026 bereits über 80 Stunden Netto-Übungszeit an. Ich habe in den letzten Monaten einen dreistelligen Betrag in verschiedene Kurse von Timothy90 investiert und will wissen, ob das Verhältnis von Zeitaufwand zu sichtbarem Fortschritt stimmt.

Transparenzhinweis: Einige Links auf dieser Seite sind Affiliate-Links. Wenn Sie darüber einen Kurs buchen, erhalte ich eine Provision — ohne dass für Sie Mehrkosten entstehen. Ich habe jedes dieser Module über mehrere Wochen systematisch durchgearbeitet und meine Fortschritte detailliert dokumentiert, bevor ich dieses Fazit geschrieben habe.

Systematik gegen das kreative Chaos

Als Grafikerin in einer Bonner Agentur verbringe ich den halben Tag vor dem Monitor. Mein Wunsch nach Handlettering entstand 2023 nach einem Workshop im Urlaub. Ich wollte weg von der Maus, hin zum echten Papier. Doch ohne Struktur verfiel ich schnell in zielloses Gekritzel. Deshalb entschied ich mich für einen methodischen Ansatz über die Kurse von Timothy90. Mein Ziel war es, drei Bereiche abzudecken: Klassisches Handlettering für die Entspannung am Wochenende, Digital Lettering für berufliche Projekte und Sketchnotes, um das Chaos in Agentur-Meetings visuell zu bändigen.

Der erste wichtige Datenpunkt in meiner Tabelle betrifft den Start mit dem Handlettering Kurs Anfang Januar. Es ist die Basis für alles andere. Wer denkt, dass man einfach einen Brush Pen in die Hand nimmt und schöne Schwünge produziert, irrt sich. Die Anatomie der Buchstaben ist eine fast mathematische Angelegenheit. Es geht um den Rhythmus von Upstrokes und Downstrokes, den man erst einmal verinnerlichen muss, bevor das Schriftbild ruhig wird.

Der Handlettering Kurs: Die harte Schule der Anatomie

In den ersten vier Wochen passierte auf dem Papier wenig, was ich jemandem gezeigt hätte. Mein Fokus lag fast ausschließlich auf der Druckkurve. Das ist der Moment, in dem man lernt, beim Aufwärtsstrich kaum das Papier zu berühren und beim Abwärtsstrich den nötigen Druck auszuüben, damit die Spitze des Brush Pens sich spreizt. Ich habe in dieser Phase etwa 120 Blatt Papier verbraucht. Hier machte ich meinen ersten Fehler: Ich nutzte gewöhnliches, ungestrichenes Kopierpapier. Das Ergebnis war frustrierend. Die feinen Spitzen meiner Brush-Pens fransen auf dieser rauen Oberfläche innerhalb weniger Stunden aus, was die Stifte unbrauchbar macht. Ich habe eine ganze Packung No-Name-Stifte entsorgt, weil die Fasern nach nur zwei Abenden wie ein alter Besen abstanden.

Ein wichtiger Wendepunkt war ein Abend Mitte Februar. Nach etwa 40 Stunden reiner Übungszeit machte es plötzlich klick. Die Handmuskulatur hatte das Gedächtnis für den Druckaufbau entwickelt. Ich stieg auf gestrichenes Papier mit 90g/m² um, was den Reibungswiderstand massiv senkte. Der Kurs von Timothy90 ist hier sehr nüchtern aufgebaut. Er verzichtet auf unnötigen Motivations-Jargon und konzentriert sich stattdessen auf die Strichführung. Für mich als jemand, die Zahlen und klare Strukturen mag, war die Unterteilung in einzelne Segmente der Buchstabenanatomie sehr hilfreich. Es ist weniger Kunst als vielmehr Handwerk im Sinne der klassischen Kalligrafie, nur eben mit modernen Werkzeugen. Wer systematisch Handlettering lernen möchte, findet hier einen sehr geradlinigen Plan.

Kostenfaktor: Analog gegen Digital

Hier zeigt sich ein interessanter Trade-off, den ich in meiner Liste genau beobachtet habe. Während der Grundkurs preislich moderat ist, fallen die laufenden Kosten für Verbrauchsmaterial ins Gewicht. Ein guter Brush Pen kostet zwischen 3 und 5 Euro. Wenn man intensiv übt, ist die Spitze nach zwei Wochen nicht mehr perfekt für haarfeine Linien. Rechnet man das Spezialpapier hinzu, landet man bei einer intensiven Nutzung schnell bei 20 bis 30 Euro Materialkosten pro Monat. Dennoch bevorzuge ich das analoge Üben für die Entspannung — auch wenn die Küchentischdecke mittlerweile dauerhafte Schatten in Indigo-Blau aufweist.

Digital Lettering: Wenn der Undo-Button lockt

Ende Februar wechselte ich zum Digital Lettering Kurs. Die Hardware-Hürde ist hier deutlich höher. Ohne ein iPad und einen drucksensitiven Stylus macht dieser Kurs keinen Sinn. Die Software Procreate ist zwar intuitiv, aber die technischen Einstellungen für die Brushes erfordern eine Einarbeitung, die Timothy90 sehr kleinteilig erklärt. Besonders hilfreich fand ich die Lektionen zur Layer-Struktur, die mir in der Agentur viel Zeit sparen.

Die Erkenntnis aus meiner Testphase: Wer analog die Strichführung nicht beherrscht, den rettet auch die digitale Technik nicht. Ein zittriger Strich bleibt auf dem iPad ein zittriger Strich, auch wenn man die Glättung (Streamline) hochdreht. Der Vorteil ist jedoch die langfristige Kostenersparnis. Nach der initialen Investition in das Tablet und den Kurs fallen kaum weitere Kosten an. Keine Tintenflecke auf der Tischdecke, kein Papierstapel, der im Altpapier landet. Für meine Arbeit in der Agentur war dieser Kurs das nützlichste Modul, um Layouts schnell mit individuellen Schriftzügen zu versehen. In meinem Beitrag Digital Lettering Kurs oder analoges Üben? gehe ich detaillierter auf diesen Vergleich ein.

Sketchnotes: Funktion vor Ästhetik

Der dritte Kurs im Bunde, der Sketchnotes Kurs, kam im April an die Reihe. Hier geht es nicht um Schönheit. Es geht um Geschwindigkeit und Informationsdichte. Das Konzept basiert auf dem sogenannten Visuellen Alphabet: Punkt, Linie, Kreis, Dreieck, Viereck und Kurve. Timothy90 zeigt hier, wie man aus diesen sechs Grundformen fast jedes Symbol herleiten kann. Das ist eine Technik, die man innerhalb weniger Abende versteht, aber ein Leben lang verfeinern kann.

Ich nutze diese Technik nun regelmäßig in unseren wöchentlichen Status-Meetings. Während meine Kollegen ihre Notizbücher mit Textwüsten füllen, die sie später nie wieder lesen, erstelle ich kleine visuelle Hierarchien mit Containern und Verbindern. Es ist der einzige Kurs, der sofortigen Nutzen im Alltag bringt, ohne dass man vorher 40 Stunden die Krümmung eines 'o' üben muss. Mein Papierverbrauch sank in dieser Phase drastisch, da ich meist nur noch einfache Fineliner auf herkömmlichem Notizblockpapier nutzte. Warum ein Sketchnotes Kurs für Grafikdesigner im Agenturalltag sinnvoll ist, habe ich erst durch die Anwendung in echten Projektbesprechungen verstanden.

Persönliches Fazit für den Küchentisch

Nach über 80 Stunden Übungszeit und der Investition in die drei Module ziehe ich eine nüchterne Bilanz. Wenn Sie nur ein begrenztes Budget und Zeitfenster haben, sollten Sie Ihre Wahl nach Ihrem konkreten Ziel treffen:

Meine Excel-Tabelle zeigt für den kommenden Monat bereits die nächsten freien Zeilen. Ich werde beim klassischen Handlettering bleiben, auch wenn ich regelmäßig die Tischdecke mit Tinte ruiniere. Es ist der notwendige Kontrast zu meinem digitalen Berufsalltag. Wer systematisch lernen will und kein Problem damit hat, dass die ersten 20 Seiten Übungspapier im Müll landen, findet in diesen Kursen eine solide Struktur ohne unnötiges Drumherumgerede. Wer mit dem Gedanken spielt, sollte sich vorab über die besten Brush Pens für Anfänger informieren, um nicht wie ich zu Beginn unnötig Material zu verschleißen.