Timothy90 Kurse im Vergleich: Welches Investment lohnt sich 2026 am Küchentisch?

Aktualisiert
Timothy90 Kursvergleich 2026: Handlettering, Digital Lettering und Sketchnotes im Investment-Check am Küchentisch

Ein Kalligraphie-Set mit Bandzugfeder liegt seit dem ersten Tag originalverpackt in meiner Werkzeugkiste – gekauft im festen Glauben, es tauge für Handlettering mit Brush Pens genauso gut wie für klassische Kalligraphie.

Transparenzhinweis vorab, weil er hierher gehört und nicht ans Ende: Ein Teil der Links zu den Timothy90-Kursen in diesem Vergleich sind Affiliate-Links. Bucht jemand darüber, bekomme ich eine Provision, ohne dass für Sie etwas teurer wird. Alle drei Module – Handlettering, Digital Lettering und Sketchnotes – habe ich am eigenen Küchentisch durchgearbeitet, bevor ich sie hier gegeneinanderstelle.

Ein teures Werkzeug macht noch keinen sauberen Strich

Der Irrtum, dem ich damals aufgesessen bin, hält sich in der Lettering-Szene hartnäckig: Wer nur genug Geld in gutes Werkzeug steckt, kommt automatisch schneller voran. Das Set aus dem Buchladen war nicht billig, aber es war für die falsche Technik gedacht – eine starre Bandzugfeder zwingt die Hand in eine ganz andere Bewegung als ein elastischer Brush Pen. Erst der Umstieg auf tatsächliches Brush-Lettering-Werkzeug hat gezeigt, woran es wirklich hakte.

Ich erinnere mich genau an den Moment, in dem mir zum ersten Mal auffiel, wie wenig Widerstand der Pinselstift beim Aufwärtsstrich leistete: Ich drehte ihn zweimal um, überzeugt, ich hätte ihn falsch herum angesetzt, bis klar wurde, dass genau diese Leichtigkeit der Sinn der Übung war.

Der Handlettering-Kurs und die Grenzen der Druckkurve

Der Handlettering Kurs von Timothy90 baut von Anfang an auf die Druckkurve – wie viel Druck ein Auf- und wie viel ein Abwärtsstrich verträgt –, deren Mechanik ich in meinem Kursplan für Fortschritte am Küchentisch 2026 bereits ausführlich durchgekaut habe, hier bleibt es bei der Kurzfassung.

Die Buchstaben-Anatomie selbst – x-Höhe, Oberlänge, Unterlänge, Serife – ist ein eigenes Thema, das an anderer Stelle ausführlicher behandelt wird; hier genügt der Vergleich zum Handschreiben in der Schule, nur mit mehr Geduld für die Kurven. Wer partout keinen Brush Pen mag, kann sich stattdessen an Faux Calligraphy versuchen, bei der dieselbe Wirkung mit einem normalen Stift nachgebaut wird, ganz ohne elastische Spitze.

Was bei mir nicht funktioniert hat: gewöhnliches, ungestrichenes Kopierpapier für die ersten Übungsblätter. Die raue Oberfläche hat die Spitze eines gängigen Fineliners binnen weniger Abende regelrecht zerfleddert, bis er nur noch für grobe Skizzen taugte. Welches Papier zu welchem Stift passt, ist ein eigenes Kapitel für sich; grob gesagt braucht ein Brush Pen eine glattere, gestrichene Oberfläche, sonst frisst sich die elastische Spitze schneller ab, als einem lieb ist. Genau dieser Verschleiß – wie schnell eine Spitze auffasert und woran man das frühzeitig erkennt – wäre nochmal ein eigenes Thema.

Handlettering Kursvergleich: neue gegen ausgefranste Brush-Pen-Spitze nach falscher Papierwahl

Ein zweiter Fehlgriff kam kurz danach: Auf demselben Papier ist mir Tusche aus einem Fineliner regelrecht zerlaufen, die Linien wurden an den Rändern unscharf und wellig statt klar begrenzt. Der scharfe, leicht bittere Duft, der beim Öffnen einer frischen Tuscheflasche hochsteigt, gehört für mich seitdem untrennbar zu diesem Lernstadium – jedes Mal ein kleiner Hinweis, vorsichtiger mit dem Papier umzugehen. Es gab in dieser frühen Phase auch einen Punkt, an dem ich den Kurs beinahe komplett beiseitegelegt hätte, nicht aus Motivationsmangel, sondern weil ich das eigentliche Problem – die Papierwahl – noch nicht erkannt hatte. Der Wechsel auf gestrichenes Papier hat mehr gebracht als jede Motivationsphrase.

Der Kurs selbst bleibt dabei angenehm nüchtern und schielt eher Richtung klassischer Kalligrafie als Richtung Instagram-Ästhetik – nur eben mit modernem Werkzeug statt Bandzugfeder.

Übungsvolumen ist dabei ein Thema, das jede Person anders austrägt; eine Nachbarin von mir trainiert gerade für den Bonn-Marathon, und wir laufen uns manchmal samstags auf dem Wochenmarkt in Bad Godesberg über den Weg, sie auf dem Rückweg vom Longrun, ich mit einer neuen Rolle Papier unterm Arm. Sie zählt Kilometer, ich zähle Blatt – wir tauschen uns kurz aus, dann geht jede ihrer Wege, beide wissend, dass sich Fortschritt nicht erzwingen lässt, nur wiederholen.

Digital Lettering mit dem Tablet – Eine realistische Bewertung

Der Digital Lettering Kurs verschiebt das Spielfeld komplett: Ohne Tablet und drucksensitiven Stylus funktioniert hier gar nichts, und das ist eine Hürde, die man nicht kleinreden sollte. Procreate wirkt zunächst simpel, die Brush-Einstellungen dahinter sind es nicht.

Mein Einstieg in Procreate war holprig. Die schiere Menge an Reglern für Deckkraft, Streamline und Pinselform hat mich in den ersten Sitzungen mehr gekostet als gebracht – meine digitalen Buchstaben sahen unrunder aus als alles, was ich vorher analog hingekritzelt hatte. Erst als ich die Einstellungen systematisch durchprobiert und für mich notiert habe, welche Kombination zu welchem Ergebnis führt, wurde die Software zum Werkzeug statt zur Ablenkung.

Wer analog die Strichführung nicht im Griff hat, dem hilft auch die beste Software nicht – ein zittriger Strich bleibt auf dem Tablet ein zittriger Strich, auch mit hochgedrehter Glättung. Wie konsequent ein Kursanbieter seine analogen und digitalen Module tatsächlich aufeinander aufbaut, statt sie nur nebeneinanderzustellen, habe ich in Digital Lettering Kurs oder analoges Üben? genauer verglichen.

Digital Lettering Kurs im Vergleich zu analogem Handlettering: iPad mit Procreate neben Brush Pen auf Papier

Auch hier hält sich ein Mythos: Digital sei automatisch die günstigere Abkürzung. Stimmt so pauschal nicht – nach der Anschaffung des Tablets fallen zwar kaum laufende Kosten für Papier und Pinsel mehr an, aber die Zeit, die man in die Software-Einarbeitung steckt, ersetzt keine der Grundlagen aus dem analogen Kurs.

Sketchnotes als unterschätzte dritte Option

Der Sketchnotes Kurs tickt nochmal anders als die ersten beiden: Es geht nicht um schöne Schrift, sondern um Tempo und Informationsdichte. Der Kern ist das visuelle Alphabet aus Punkt, Linie, Kreis, Dreieck, Viereck und Kurve, aus dem sich fast jedes Symbol ableiten lässt – eine Technik, die sich innerhalb weniger Abende erschließt, aber sich über lange Zeit weiter verfeinern lässt.

Für alle, die ohnehin viel visuell denken müssen, bündelt Warum ein Sketchnotes Kurs für Grafikdesigner im Agenturalltag sinnvoll ist die praktischen Anwendungsfälle noch einmal im Detail; an dieser Stelle bleibt festzuhalten, dass dieser Kurs von den dreien den schnellsten sichtbaren Nutzen liefert, ohne dass man vorher stundenlang an reinen Buchstabenformen üben müsste.

Sketchnotes Kursvergleich: visuelles Alphabet aus Punkt, Linie, Kreis und Dreieck im Notizbuch

Wählen Sie nach Ziel, nicht nach Preis

Wie unterschiedlich zwei populäre Kursanbieter ihre Übungsmodule didaktisch aufbauen, zeigt ein genauerer Blick auf die konkrete Kursstruktur – aussagekräftiger als jedes Werbeversprechen.

Die eigentliche Investitionsfrage ist simpler, als der anfängliche Werkzeug-Mythos vermuten lässt: Wer Entspannung und das haptische Gefühl von Tinte auf Papier sucht, ist beim Handlettering Kurs richtig, auch wenn das laufende Verbrauchsmaterial eine ständige Begleiterscheinung bleibt. Wer schon ein Tablet besitzt und Ergebnisse direkt in digitale Layer exportieren muss, bekommt beim Digital Lettering Kurs den wirtschaftlich sinnvolleren Weg. Wer dagegen schnell und ohne künstlerischen Anspruch visuelle Ordnung schaffen will, ist mit dem Sketchnotes Kurs am besten bedient. Keine dieser drei Antworten hängt am Preis des Werkzeugs – sie hängt daran, ob Technik und Ziel zueinander passen, und genau das hatte mein Kalligraphie-Set nie.