Sketchnotes Kurs für Anfänger: Symbole zeichnen und Meetings festhalten

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Sketchnotes Kurs für Anfänger: Symbole zeichnen und Meetings festhalten

Es ist ein Dienstagvormittag am späten Vormittag. Während mein Chef in unserem wöchentlichen Agentur-Meeting die Quartalszahlen erläutert, bewege ich den Stift fast mechanisch über das Papier. Ich zeichne ein kleines Zahnrad, daneben eine stilisierte Glühbirne mit drei kurzen Strichen, die Lichtstrahlen andeuten sollen. Es ist kein unbewusstes Gekritzel mehr, wie ich es jahrelang getan habe. Es ist eine visuelle Notiz, die den Kern der Aussage – Prozessoptimierung und neue Ideen – sofort greifbar macht. Mein Sitznachbar wirft einen Blick darauf und nickt kurz. Das ist der Moment, in dem ich merke, dass sich die etwas über zwanzig Stunden Übungszeit der letzten Monate gelohnt haben.

Als Grafikerin arbeite ich täglich mit komplexen Layouts, doch meine privaten Notizen sahen bisher aus wie ein Schlachtfeld aus unleserlichen Stichpunkten und halbherzigen Randverzierungen. Seit Anfang 2024 führe ich eine Excel-Tabelle, in der ich jeden Kurs und jeden Stiftverbrauch akribisch eintrage. Anfang des Jahres startete ich das Projekt Sketchnotes. Der Kurs kostete knapp neunzig Euro. Mein Ziel war simpel: Ich wollte lernen, Informationen so zu komprimieren, dass ich sie auch drei Wochen später noch verstehe, ohne den kompletten Text lesen zu müssen.

Das System hinter den Symbolen: Reduktion statt Dekoration

Der Kurs begann nicht mit kunstvollen Zeichnungen, sondern mit dem sogenannten Visuellen Alphabet. Die Theorie dahinter ist so nüchtern wie effektiv: Jedes noch so komplexe Objekt lässt sich auf fünf Grundformen reduzieren: Punkt, Linie, Kreis, Dreieck und Viereck. Wer ein Viereck und ein Dreieck zeichnen kann, kann auch ein Haus zeichnen. Wer einen Kreis und zwei Linien beherrscht, zeichnet eine Glühbirne. Wer tiefer in die Theorie eintauchen möchte, findet bei Wikipedia eine gute Einordnung dieser visuellen Sprache.

Nahaufnahme der Grundformen des visuellen Alphabets auf Papier

Ich habe in meiner Tabelle Dutzende neue Zeilen für Symbole angelegt und diese systematisch abgearbeitet. In den ersten zwei Wochen verbrauchte ich fast einen kompletten Block einfaches Kopierpapier, nur um diese Grundformen in Fleisch und Blut übergehen zu lassen. Es geht hier nicht um Ästhetik. Im Gegensatz zum Brush-Lettering, bei dem es auf den perfekten Schwung ankommt, zählt bei Sketchnotes nur die Wiedererkennbarkeit. Ein Schatten, meist mit einem hellgrauen Marker gesetzt, verleiht der zweidimensionalen Zeichnung sofort eine professionelle Tiefe. Das quietschende Geräusch des Filzstifts, wenn ich den Schatten unter eine gezeichnete Glühbirne setze und das Symbol plötzlich 'lebt', ist ein seltsam befriedigender Moment an meinem Küchentisch.

Zahlen, Daten und die Realität am Küchentisch

Um den Kurs wirklich zu bewerten, habe ich mein übliches Tracking-System genutzt. Über einen Zeitraum von etwa zehn Wochen habe ich etwas über zwanzig Stunden investiert. Das Pensum bestand aus drei Einheiten pro Woche à 45 Minuten. Bei einer Kursgebühr von rund neunzig Euro ergibt das einen Preis von etwa vier Euro pro Übungsstunde. Das ist im Vergleich zu meinen bisherigen Erfahrungen ein moderates Investment.

Interessanterweise ist der Materialverschleiß geringer als beim Lettering. Während ich beim Brush-Lettering ständig neue Pinselstifte kaufe, weil die Spitzen ausfransen, reichen für Sketchnotes einfache Fineliner und ein grauer Marker für die Schatten. Ein 0.5er Fineliner hat bei mir etwa sechs Wochen durchgehalten, bevor die Spitze durch zu festes Aufdrücken bei den Dreiecken nachgab. Wer wissen möchte, wie sich das im Vergleich zu reinen Schreibkursen verhält, kann nachlesen, wie lange man für echte Fortschritte beim Handlettering üben muss, um ein Gefühl für die Zeitabstände zu bekommen.

Der Wendepunkt: Wenn Synergie nach Wolle aussieht

Trotz aller Systematik gab es Momente des Scheiterns. Ein Sketchnotes-Kurs suggeriert oft, dass man alles zeichnen kann. In Woche sechs versuchte ich, abstrakte Begriffe wie 'Synergie' oder 'Nachhaltigkeit' in Icons zu fassen. Der Moment, als ich versuchte, 'Synergie' zu zeichnen und am Ende nur ein unkenntliches Knäuel aus Linien auf dem Papier hatte, das aussah wie verhedderte Wolle, war ernüchternd. Ich saß vor meinem Blatt, die Finger voller Tinte, und musste über meinen eigenen Anspruch lachen. Meine Küchentischdecke hat seit diesem Abend einen bleibenden blauen Fleck, weil ich vor lauter Frust den Stift etwas zu schwungvoll abgelegt habe.

Hier lernte ich meine wichtigste Lektion: Hör auf, perfekte Icons auswendig zu lernen. Sketchnotes werden in Meetings effektiver, wenn du hässliche Symbole als bewusste Platzhalter nutzt, statt Zeit mit künstlerischer Perfektion zu verschwenden. Wenn mir kein Symbol für 'Effizienz' einfällt, schreibe ich das Wort groß in einen Kasten und setze zwei Pfeile daneben. Das ist schneller und erfüllt den Zweck der Dual Coding Theory – die Kombination aus Bild und Text für bessere Merkbarkeit – genauso gut. Es ist eine Erkenntnis, die ich oft auch Anfängern mitgebe, die sich fragen, ob ein Brush Lettering Kurs oder YouTube der bessere Start ist: Struktur schlägt meistens den bloßen Effekt.

Die erste Live-Anwendung im Kunden-Call

Nach etwa fünf Wochen Training kam der erste echte Test. Ein Telefonat mit einem schwierigen Kunden, bei dem es um eine komplexe Website-Struktur ging. Normalerweise schreibe ich in solchen Gesprächen hektisch mit und verliere den Überblick. Diesmal legte ich mir ein leeres Blatt bereit. Während der Kunde redete, zeichnete ich Container, Pfeile und kleine User-Icons. Ich bemerkte schnell: Man kann kein Symbol zeichnen, wenn man den Kern der Aussage nicht verstanden hat. Das Zeichnen zwingt zur Analyse.

Am Ende des zwanzigminütigen Telefonats hatte ich keine Text-Wüste vor mir, sondern eine Map der Website. Ich konnte dem Kunden die Struktur sofort zusammenfassen, weil ich sie vor Augen hatte. Das war der Punkt, an dem ich die Kursgebühr als gut investiert abgehakt habe. Ich habe früher schon darüber geschrieben, warum ein Sketchnotes Kurs für Grafikdesigner im Agenturalltag sinnvoll ist, aber es in der Praxis so unmittelbar zu erleben, war noch einmal eine andere Erfahrung. Es spart mir schlichtweg Zeit bei der Nachbereitung, die ich sonst damit verbracht hätte, meine eigenen Hieroglyphen zu entziffern.

Fazit nach der Übungsphase

Sketchnotes sind kein Brush-Lettering. Es geht um Information, nicht um Dekoration. Nach über zwanzig Stunden Übung ist meine Symbol-Bibliothek in der Excel-Tabelle stabil angewachsen. Mein Küchentisch hat zwar ein paar neue Tintenkleckse abbekommen, die selbst mit Scheuermilch kaum noch weggehen, aber die Klarheit, die ich in Meetings gewinne, ist diesen Preis wert. Wer bereit ist, den eigenen Perfektionismus abzulegen und sich auf die Einfachheit von Kreis und Quadrat einzulassen, findet in einem strukturierten Online-Kurs ein solides Werkzeug für den Büroalltag. Man muss kein Künstler sein, um eine gute Notiz zu machen – man muss nur wissen, wo der Schatten hinkommt, damit die Glühbirne leuchtet.