
Eines Abends Mitte Dezember saß ich an meinem Küchentisch in Bonn und betrachtete meine neuesten Entwürfe. Während die Buchstabenformen dank monatelanger Übung stabil wirkten, sahen die angehängten Schnörkel – das sogenannte Flourishing – eher aus wie betrunkene Regenwürmer. Meine Excel-Tabelle, in der ich seit 2023 jeden Kurs und jede verbrauchte Tintenpatrone dokumentiere, zeigte eine klare Lücke bei den fortgeschrittenen Techniken.
Bevor ich auf die Details eingehe, ein kurzer Transparenzhinweis: Einige Links in diesem Text sind Affiliate-Links. Falls Sie darüber einen Kurs buchen, erhalte ich eine Provision, ohne dass für Sie Mehrkosten entstehen. Ich empfehle hier ausschließlich Programme, die ich über mehrere Wochen hinweg abends nach der Arbeit in der Agentur systematisch durchgearbeitet habe.
Die Suche nach dem System hinter dem Schwung
Flourishing wird oft als reine Gefühlssache verkauft, doch als Grafikerin weiß ich, dass gute Gestaltung selten auf Zufall basiert. Mein Ziel für die grauen Januartage war es, einen Handlettering Kurs zu finden, der die Logik hinter den Zierelementen erklärt. Ich wollte wissen, warum eine Schlaufe an einem 'g' harmonisch wirkt und eine andere das gesamte Wort optisch kippen lässt.
Beim Testen kristallisierte sich schnell heraus, dass die Anatomie der Buchstaben das Fundament bildet. Ein Schnörkel ohne statische Basis funktioniert nicht. Das ist wie ein schlecht konstruiertes Logo, das man mit Verläufen zu retten versucht. Ich habe festgestellt, dass Kurse mit individuellem Lehrer-Feedback zwar einen deutlich höheren zeitlichen Aufwand pro Lektion erfordern, aber Fehler in der Strichführung viel schneller korrigieren als reine Videotutorials. Wenn man erst einmal 50 Seiten falsche Ovale gezeichnet hat, dauert das Umlernen doppelt so lange.
Analoges Papier vs. Digitales Tablet
In meiner Testphase habe ich den klassischen, papierbasierten Ansatz gegen einen Digital Lettering Kurs auf dem iPad antreten lassen. Auf dem Papier nutzte ich standardmäßig Blätter im Format 210 x 297 mm, also klassisches A4, vorzugsweise satiniert, um das Ausbluten der Tinte zu verhindern. Der digitale Export erfolgte später mit einer Druckauflösung von 300 DPI, was für meine Agenturprojekte der Mindeststandard ist.
Ein interessanter Aspekt beim Vergleich: Digital Lettering Kurs oder analoges Üben? Auf dem iPad ist die Versuchung groß, die 'Rückgängig'-Funktion zu nutzen, anstatt die Handbewegung wirklich zu verinnerlichen. Analog hingegen merkt man sofort, wenn sich die Filzspitze eines Brush Pens abnutzt, weil man zu viel Druck im falschen Winkel ausgeübt hat. Ein guter Flourishing-Kurs muss den klassischen Neigungswinkel der Kalligrafie von etwa 55 Grad berücksichtigen, da dieser die Richtung der Ovale vorgibt.
Beobachtungen aus der Praxis
- Flourishing basiert auf ovalen Grundformen, nicht auf Kreisen. Wer Kreise zieht, erzeugt optische Unruhe.
- Der Druckaufbau muss präzise gesteuert werden. Ich habe gelernt, dass der maximale Druck nur bei den Abwärtsstrichen erfolgen darf, um die empfindlichen Spitzen der Stifte zu schonen.
- Nach etwa zwei Monaten systematischem Üben klickte es bei der Erkenntnis, dass Leerraum (White Space) genauso wichtig ist wie die gezogene Linie.
Kursvergleich: Welches Modell passt zu wem?
In meiner Küche stapeln sich mittlerweile die Übungsblätter. Wer wirklich tief in die Materie einsteigen will, sollte sich die folgende Übersicht ansehen. Ich habe die Kurse nach ihrem Fokus und meiner persönlichen Erfahrung mit dem Lernfortschritt bewertet.
| Kurs | Fokus | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| Handlettering Kurs | Anatomie & Technik | Sehr tiefgehende Basisarbeit | Kein iPad-Fokus |
| Digital Lettering Kurs | iPad & Procreate | Effizienter Workflow | Hardware erforderlich |
| Sketchnotes Kurs | Visuelle Struktur | Ideal für den Job | Wenig Fokus auf Ästhetik |
Für meine Arbeit in der Agentur nutze ich oft den Sketchnotes Kurs für Grafikdesigner, um Konzepte schnell zu visualisieren. Aber für das filigrane Flourishing war der Handlettering Kurs von Timothy90 der entscheidende Faktor, da er die Strichführung so kleinteilig zerlegt, dass man sie auch nach einem langen Arbeitstag noch versteht.
Fazit nach sechs Monaten
Anfang April blickte ich auf meine Vorher-Nachher-Vergleiche. Die Linien sind heute sicherer, die Ovale gleichmäßiger und meine Küchentischdecke hat zwar ein paar dauerhafte Tintenflecken davongetragen, aber das Ergebnis ist es wert. Systematisches Üben schlägt Talent in jedem Fall, besonders wenn man die zugrunde liegende Geometrie versteht. Wer am Ball bleiben will, sollte sich einen klaren Plan machen, wie ich es in meinem Artikel über den systematischen Kursplan beschrieben habe.
Wenn Sie Ihre Letterings auf das nächste Level heben wollen und bereit sind, ein paar Abende in die Analyse von Auf- und Abstrichen zu investieren, ist der Handlettering Kurs die solideste Wahl für den Start in die Welt des Flourishings.