Handlettering Kurs für Fortgeschrittene: Die besten Flourishing Kurse im Test

Handlettering Kurs für Fortgeschrittene: Flourishing-Schwünge und Buchstabenanatomie im Kursvergleich

Der Pinselstift hängt schräg in der Hand, die dritte Schlaufe am 'g' wird nachgezogen, und trotzdem sieht das Ergebnis aus wie ein betrunkener Regenwurm auf Papier. Die Buchstabenformen selbst sitzen längst sicher, doch sobald ein Schnörkel dazukommt, kippt die ganze Zeile. Genau an diesem Punkt trennt sich ein gewöhnlicher Handlettering-Kurs von einem, der wirklich Flourishing lehrt – deshalb liefen bei mir mehrere Kreativkurs-Tests parallel, um herauszufinden, welches Programm Fortgeschrittene tatsächlich weiterbringt.

Kurzer Hinweis vorab: Dieser Test enthält Affiliate-Links. Bucht jemand darüber einen Kurs, bekomme ich eine Provision, ohne dass für Sie höhere Kosten entstehen. Getestet habe ich ausschließlich Programme, die ich über mehrere Wochenenden tatsächlich durchgearbeitet habe – keine Kurse, die ich nur überflogen habe.

Was ein Handlettering Kurs für Flourishing wirklich leisten muss

Gute Gestaltung entsteht selten aus reinem Bauchgefühl, das gilt für Logos genauso wie für Schnörkel. Mein Ausgangspunkt war deshalb ein Handlettering Kurs, der die Logik hinter den Zierelementen offenlegt, statt sie als Talent abzutun: Warum wirkt eine Schlaufe am 'g' harmonisch, während eine andere die ganze Zeile aus der Balance bringt?

Als Prüfraster nutze ich seitdem die Anatomie-Begriffe: Ein Kurs, der ständig von Schwüngen redet, ohne Ober- und Unterlängen beim Namen zu nennen, lässt Fortgeschrittene raten, wo der Schnörkel überhaupt ansetzen soll. Bei der Kursstruktur zeigen sich außerdem klare Unterschiede – manche Programme bauen konsequent aufeinander auf, andere reihen Lektionen ohne erkennbare Reihenfolge aneinander. Kurse mit echtem Feedback zur Strichführung brauchen pro Lektion spürbar mehr Zeit als reine Videotutorials, korrigieren Fehler dafür schneller: Wer erst einmal 50 Seiten falsche Ovale gezogen hat, braucht doppelt so lange fürs Umlernen.

Papier oder iPad: Wo entwickelt sich Flourishing gründlicher?

Papier gegen Tablet war der nächste Vergleich: klassische Übungsbögen im Format 210 x 297 mm, satiniert, damit die Tinte nicht ausblutet, gegen einen Digital Lettering Kurs auf dem iPad, der Brush-Settings, Layer-Struktur und den kompletten Export-Workflow mit Procreate behandelt und am Ende in 300 DPI für Agenturprojekte exportiert. Auf dem Bildschirm verführt die Rückgängig-Taste dazu, die Handbewegung nie wirklich zu verinnerlichen; auf Papier merkt man dagegen sofort, wenn die Filzspitze eines Brush Pens durch zu viel Druck im falschen Winkel ausfranst.

Wie sich das eine ins andere übertragen lässt, habe ich separat aufgeschrieben, siehe Digital Lettering Kurs oder analoges Üben? – der Wechsel zwischen Analog und Digital gelingt nur, wenn die Handbewegung zuerst auf Papier sitzt, nicht andersherum. Einen groben Anhaltspunkt für den Neigungswinkel liefert die klassische Kalligrafie, deren Federhaltung die Richtung der Ovale mitbestimmt, ohne dass man sich sklavisch daran halten muss.

Ein PDF-Schnellkurs, den ich mir vor einer Weile heruntergeladen hatte, blieb ungedruckt auf der Festplatte liegen – ohne Blatt und Stift in der Hand bringt so ein Download rein gar nichts. Was tatsächlich zählt, ist das Übungsvolumen, nicht die Kurswahl allein, und das lässt sich am besten in Gesellschaft durchhalten: Samstags übe ich oft mit meiner Kollegin Ursula Kettner aus der Agentur, die dabei zuverlässig selbstgebackene Kekse mitbringt. Ein neues Übungsheft aufzuschlagen und auf Anhieb zu wissen, welche Seite zuerst drankommt, ist mittlerweile Routine – kein Geistesblitz, eher das Ergebnis von genug wiederholten Abenden mit tintenverschmierten Fingern.

Kopfüber prüfen, was die Kursbeschreibung übersieht

Flourishing baut auf ovalen Grundformen auf, nicht auf Kreisen – wer Kreise zieht statt Ovale, erzeugt optische Unruhe, die sich über die ganze Zeile fortsetzt. Leerraum um den Schnörkel herum zählt dabei genauso viel wie die gezogene Linie selbst, auch wenn das am Anfang kontraintuitiv wirkt. Am zuverlässigsten lässt sich der Schwung trotzdem kopfüber prüfen: Dreht man das fertige Blatt einfach um, fallen ungleiche Schlaufen sofort auf, ganz ohne Lineal.

Kursvergleich: Drei Programme nebeneinander

Wer tiefer einsteigen will, findet die drei Programme im direkten Vergleich in der folgenden Übersicht. Papier-Stift-Kompatibilität spielt bei der Wahl übrigens eine größere Rolle, als die meisten Einsteiger denken, ebenso wie die Abnutzung der Brush-Pen-Spitze über die Übungswochen hinweg – beides eigene Themen für sich, die hier zu weit führen würden.

Kurs Fokus Vorteil Nachteil
Handlettering Kurs Anatomie & Technik Sehr tiefgehende Basisarbeit Kein iPad-Fokus
Digital Lettering Kurs iPad & Procreate Effizienter Workflow Hardware erforderlich
Sketchnotes Kurs Visuelle Struktur Ideal für den Job Wenig Fokus auf Ästhetik

Lohnt sich ein zweiter Kurs, wenn man schon den ersten hat?

Genau diese Frage stellte mir vor Kurzem eine Leserin, Andrea Helbig, über das Kontaktformular: Lohnt sich der Aufpreis für einen zweiten Kurs, oder reicht der Grundkurs für alles, was danach kommt? Sie vergleicht grundsätzlich ausführlich, bevor überhaupt etwas gekauft wird, und die ehrliche Antwort lautet: kommt darauf an, wofür. Für die Arbeit in der Agentur nutze ich selbst häufig den Sketchnotes Kurs für Grafikdesigner, um Konzepte schnell zu visualisieren, aber für filigranes Flourishing war der Handlettering Kurs von Timothy90 der Kurs, der die Strichführung so kleinteilig zerlegt, dass sie auch nach einem langen Arbeitstag noch hängen bleibt.

Wer noch gar keinen passenden Brush Pen besitzt, kann die Wartezeit mit Faux Calligraphy überbrücken – eine Technik, die mit einem gewöhnlichen Fineliner auskommt und trotzdem den Kontrast zwischen dünnem Aufstrich und breitem Abstrich übt.

Meine Empfehlung für Fortgeschrittene

Ein klarer Plan hält eher durch als ein Wochenend-Hobby, das mal klappt und mal nicht – wie ich das systematisch aufziehe, steht in meinem Artikel zum systematischen Kursplan. Fortgeschrittene Flourish-Techniken setzen voraus, dass die Druckkurve längst verinnerlicht ist – wer beim Ab- und Aufstrich noch nachdenken muss, hat für den Schnörkel keine Kapazität mehr übrig.

Für alle, die die eigenen Letterings aufs nächste Level heben wollen und bereit sind, ein paar Abende in die Analyse von Auf- und Abstrichen zu stecken: Der Handlettering Kurs bleibt die solideste Grundlage für den Einstieg ins Flourishing – der Rest ist Wiederholung, bis der Schnörkel irgendwann nicht mehr aussieht wie ein Regenwurm.