
18 Wochen liegen zwischen meinem ersten krakeligen Buchstaben und der Frage, die dieser Erfahrungsbericht beantworten soll: Welcher Handlettering Onlinekurs bringt Anfängern wirklich etwas, und welcher kostet nur Zeit? Drei Kurse desselben Anbieters habe ich in dieser Zeit durchgearbeitet, jede Übungsstunde in einer Tabelle notiert und jeden Fehlgriff mitgeschrieben, der mich Nerven und mehr als eine Tischdecke gekostet hat. Am Ende zählt nicht, wie viele Videos ein Kurs enthält, sondern wie klar er den Weg vom ersten Strich zum lesbaren Wort aufbaut.
Transparenzhinweis vorab: In diesem Beitrag verlinke ich Kurse von Timothy90, teils mit Affiliate-Kennzeichnung – kaufen Sie darüber, bekomme ich eine Provision, ohne dass für Sie ein Aufpreis entsteht. Bewertet habe ich nur, was ich selbst über mehrere Wochen am eigenen Küchentisch durchgearbeitet habe, nicht das, was auf einer Verkaufsseite steht.
Warum ich bei einem Handlettering Onlinekurs mehr auf Struktur achte als auf einzelne Videos
Mein erster Versuch vor einiger Zeit bestand aus billigen Faserschreibern aus dem Discounter-Regal, weil ich nicht gleich Geld in Ausrüstung stecken wollte, deren Sinn ich noch nicht verstand. Innerhalb der ersten Woche waren die Spitzen ausgefranst, die Striche liefen ungleichmäßig aus, und ich wusste immer noch nicht, warum meine Linien nie so aussahen wie im Kurs-Vorschaubild. An diesem Punkt hilft kein weiteres Video, sondern eine Struktur, die vorgibt, was diese Woche geübt wird und was erst später drankommt – deshalb bin ich zum Handlettering Kurs von Timothy90 gewechselt. Wer noch unschlüssig ist, ob sich die Investition gegenüber kostenlosen Inhalten überhaupt lohnt, findet in meinem Brush Lettering Kurs oder YouTube Vergleich meine ausführlichere Einschätzung dazu.

Bei der Bewertung eines Kurses schaue ich zuerst auf den Aufbau, nicht auf die Anzahl der Videos: Beginnt er mit Haltung und Druckaufbau, bevor er zu ganzen Wörtern springt? Gibt es eine Reihenfolge, der man ohne Vorwissen folgen kann, oder muss man selbst entscheiden, welches Modul als Nächstes drankommt? Der Handlettering Kurs baut linear auf – erst einzelne Striche, dann Buchstabenfamilien, erst am Ende ganze Worte und Karten. Der Digital Lettering Kurs setzt dagegen voraus, dass die Stiftführung schon sitzt, und konzentriert sich auf Layer-Aufbau und Werkzeuge in Procreate. Der Sketchnotes Kurs wiederum ist von Anfang an modular gedacht: Symbole, Container oder Verbindungen lassen sich einzeln üben, ohne dass eine Lektion zwingend auf der vorigen aufbaut, weil hier schnelle Notizen das Ziel sind und keine gleichmäßige Schrift.
Papier, Stift und eine Bekannte, die Grammaturen auswendig kennt
Nach der Sache mit den Faserschreibern habe ich testweise auf normalem Kopierpapier weitergeübt, in der Annahme, Papier sei ohnehin austauschbar. Die raue Oberfläche zerrt trotzdem an den Filzspitzen, nur langsamer, und nach wenigen Abenden waren auch diese Spitzen sichtbar in Mitleidenschaft gezogen. Ein Buch über Papierarten, das ich mir in der Stadtbücherei Bonn ausgeliehen hatte, half theoretisch weiter, praktisch verständlich wurde es aber erst durch Christine Albers, eine Bekannte vom Bonner Kreativ-Stammtisch. Sie ist gelernte Buchbinderin und kennt Papiersorten und ihre Grammaturen praktisch auswendig, während ich bis dahin nur wusste, dass sich manches Papier „griffiger" anfühlt als anderes.
Ob ein Stift zu einem Papier passt, hängt von mehr Faktoren ab als vom Preis des Blocks, und das ist ein eigenes Thema, das an anderer Stelle ausführlicher behandelt gehört, als ich hier Platz habe. Wie schnell sich eine Brush-Pen-Spitze bei regelmäßigem Gebrauch abnutzt, hängt wiederum stark davon ab, wie viel Druck man in der Übungsphase aufbaut – dazu habe ich in meinem Guide über die besten Brush Pens für Anfänger mehr notiert.
Kalligrafie ist nicht Handlettering, und warum das für die Kurswahl zählt
Handlettering wird oft mit Kalligrafie verwechselt, dabei verlangen beide unterschiedliche Werkzeuge und unterschiedliche Bewegungsabläufe. Meine Nachbarin Elisabeth Rudert hat nach einem Gespräch im Treppenhaus angefangen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, allerdings mit der Zeichenfeder statt mit Brush Pens – sie bevorzugt klassische Kalligrafieschriften gegenüber den weicheren, moderneren Brush-Styles, die in meinem Kurs im Vordergrund stehen. Wer wie sie mit der Feder arbeiten will, braucht eine andere Grundlage, als sie ein Brush-Lettering-Kurs vermittelt.
Die Videoanleitungen im Handlettering Kurs haben mir geholfen, meinen Ansatz zu korrigieren, ohne dass ich hier jede Feinheit der Stifthaltung ausbreiten will – das würde den Rahmen sprengen. Ob ein Kurs die Druckkurve offen als eigenes Übungsziel benennt oder sie stillschweigend voraussetzt, macht für Anfänger einen spürbaren Unterschied, und genau das habe ich in meinem Kursplan für zu Hause gegenübergestellt. Wie sich einzelne Buchstabenformen wie x-Höhe oder Oberlänge im Detail unterscheiden, ist wieder ein eigenes Kapitel, das an dieser Stelle zu weit führen würde.

Der Nachmittag, an dem mein Mann nach der Karte fragte
In der vierten Woche fragte mein Mann beiläufig, ob die Karte auf dem Küchentisch für eine Kollegin von ihm sei – er hatte sie einfach neben der Kaffeemaschine liegen sehen, frisch getrocknet, mit einem Schriftzug, den ich selbst noch nicht für vorzeigbar hielt. Ein dramatischer Wendepunkt war das nicht, eher eine Bestätigung: Was ich in der Tabelle als Fortschritt notiert hatte, ließ sich jetzt auch von außen lesen, nicht nur in meinen eigenen Vergleichszahlen. Bis dahin hatte ich vor allem Buchstaben geübt, die nur für mich selbst lesbar waren; von da an schrieb ich tatsächlich Karten für andere.
Lohnt sich Papier oder das iPad für den Einstieg?
Im dritten Monat habe ich eine Zeit lang parallel den Digital Lettering Kurs getestet, weil in meiner Agentur ohnehin viele mit Procreate arbeiten. Für Layer-Aufbau und Werkzeuge ist die Struktur dort gut gemacht. Für den Einstieg bleibt meine Erfahrung trotzdem eindeutig: Wer die Druckkontrolle nicht auf Papier verinnerlicht hat, kämpft am Bildschirm gleichzeitig mit der Technik und mit dem Werkzeug, und beides zusammen überfordert in der Anfangsphase.
Wie viel sich von der Papier-Übung überhaupt auf den digitalen Stift übertragen lässt, ist ein eigenes Thema, das eine gesonderte Betrachtung verdient – mehr, als ich anfangs dachte, aber weniger, als Werbeversprechen für Lettering-Apps nahelegen. Wie viel Übungsvolumen für sichtbaren Fortschritt überhaupt nötig ist, hängt außerdem stärker vom Rhythmus der Abende ab als von der reinen Gesamtstundenzahl, und auch das ist eine eigene Rechnung, die über einen einzelnen Kursvergleich hinausgeht.

Handlettering, Digital Lettering oder Sketchnotes: für wen sich was eignet
Für alle, die eher schnelle Notizen als schöne Karten wollen, ist der Sketchnotes Kurs die naheliegendere Wahl, weil er auf Funktion statt auf Ästhetik setzt – Symbole, Container und Verbindungen statt sauberer Ober- und Unterlängen. Wer dagegen ganz ohne Brush Pen anfangen will, findet mit Faux Calligraphy einen brauchbaren Zwischenschritt, den ich an anderer Stelle im Detail durchgehe. Die Entscheidung zwischen den drei Kursen hängt letztlich davon ab, ob am Ende eine Grußkarte oder eine Projektplanung stehen soll.

Meine Bilanz nach 18 Wochen: eine Lehre fürs nächste Mal
Wenn mich heute jemand fragt, welcher Kurs sich lohnt, bleibt meine Antwort nüchtern: Es kommt auf die Disziplin an, nicht auf die Anzahl der gekauften Stifte. Die Investition in den Handlettering Kurs war für mich sinnvoll, weil sie mir das ziellose Suchen erspart hat, das ich mit den Faserschreibern aus dem Discounter begonnen hatte. Ein einfacher Brush Pen aus dem gut sortierten Schreibwarenladen liefert bessere Ergebnisse als ein komplettes Profi-Set, wenn die Grundtechnik sitzt – die Technik schlägt die Ausstattung, jedes Mal.
Blaue Fingerkuppen und mindestens ein neuer Tintenfleck auf der Tischdecke gehören inzwischen so selbstverständlich zum Feierabend wie der Kaffee davor, und das bereue ich keine Minute. Die eine Lehre, die ich aus 18 Wochen und drei Kursen mitnehme: Nicht die Menge an Übungsmaterial entscheidet über den Fortschritt, sondern ob eine klare Reihenfolge vorgibt, was als Nächstes drankommt – alles andere lässt sich mit Zeit und ausreichend Papier nachholen. Wer jetzt einsteigen will, findet im Handlettering Kurs aus meiner Sicht das stabilste Fundament für den analogen Anfang.