Sketchnotes Kurs für Lehrer: Komplexe Inhalte einfach und visuell vermitteln

Sketchnotes Kurs für Lehrer: visuelle Notizen für die Lehrerfortbildung im Handlettering-Vergleich

Fünf Grundformen sollen reichen, um jede komplexe Unterrichtsvisualisierung zu bauen: Punkt, Linie, Dreieck, Quadrat, Kreis, sonst nichts. Nach Jahren, in denen ich mir für ein einziges kleines „e" im Brush Lettering die passende Druckkurve antrainiert habe, klang das erst nach einem schlechten Scherz. Der Sketchnotes-Kurs, den ich mir als Lehrerfortbildung für meinen laufenden Kursvergleich vorgenommen hatte, verspricht genau das: mit einem Bruchteil des Buchstaben-Repertoires komplexe Inhalte visuell zu vermitteln, ohne dass am Ende ein Schriftkunstwerk herauskommt.

Mein runder Esstisch in der Altbauwohnung in Bonn-Beuel trägt inzwischen mehr feine Schnittspuren, als mir lieb ist, weil ich zu selten eine Unterlage unterlege, bevor das Cuttermesser übers Papier fährt, und das Regal darüber mit den sortierten Tintengläsern ist in den letzten Jahren eher voller als leerer geworden. Der Ansatz dieses Kurses hat mit dem, was dort sonst entsteht, wenig gemeinsam. Während es beim klassischen Handlettering um den perfekten Schwung geht, geht es hier um Reduktion. Ich wollte wissen, ob ein Piktogramm-System für visuelle Notizen wirklich ausreicht, um einen komplizierten Sachverhalt so herunterzubrechen, wie eine Lehrkraft eine Tafelskizze für ihre Klasse zeichnet, und ob sich das überhaupt mit meinem sonstigen Handlettering-Vergleich verträgt.

Fünf Formen genügen, wo Handlettering ein Alphabet braucht

Die Methodik des Kurses stützt sich auf die fünf Grundformen der Sketchnotes nach Mike Rohde: Punkt, Linie, Dreieck, Quadrat und Kreis. Aus diesen simplen Bausteinen lässt sich fast jedes Objekt konstruieren, vom Haus bis zur Denkblase. Ober- und Unterlängen, Serifen oder der ganze Wortschatz der Buchstaben-Anatomie, den ich mir fürs Handlettering mühsam angeeignet habe, tauchen hier kein einziges Mal auf. Auch eine Druckkurve, bei der der Strich von dünn zu breit anschwillt, muss ich mir nicht erst antrainieren, denn die Sketchnote kennt nur eine gleichbleibende Strichstärke, mehr Filzstift als Pinselspitze.

Einmal habe ich mitten in einer Handlettering-Übung das Wort „Frühling" geschrieben und gemerkt, dass alle vier Grundstriche exakt gleich breit dastanden. Genau dieser kontrollierte Griff fehlt den schnellen Sketchnote-Strichen komplett, und das ist im Kurs so gewollt, kein Rückschritt.

Fünf Grundformen für den Sketchnotes-Kurs: visuelle Notizen auf glattem Marker-Papier geübt.

Wie viele Übungsseiten es braucht, bis sich beim Handlettering ein sichtbarer Fortschritt zeigt, ist eine andere Rechnung als beim Sketchnotes-Kurs, wo es weniger um Wiederholung als um Symbolgedächtnis geht. Trotzdem verbrachte ich an einem regnerischen Abend fast zwei Stunden allein mit Rahmen und Verbindungslinien, zehnmal denselben Pfeil, bis die Bewegung so beiläufig wurde wie ein Haken auf einer Einkaufsliste. Kein Vergleich zu der Konzentration, die ein sauberer Schwung im Handlettering verlangt, hier durfte die Hand fast schon unaufmerksam arbeiten.

Materialtest im Sketchnotes-Kurs: Marker-Papier gegen Aquarellpapier

Bevor ich beim passenden Marker-Papier mit 120 g/m² gelandet bin, habe ich es mit billigen Faserschreibern aus dem Discounter versucht. Die Spitzen waren schon in der ersten Übungswoche komplett ausgefranst, und jede Linie sah aus, als hätte ich sie mit einem nassen Wattestäbchen gezogen. Welches Papier zu welchem Stift passt, ist ohnehin ein eigenes Kapitel, aber für diesen Kurs reicht die Faustregel: glatt und dick genug, dass nichts durchschlägt. Wer auf dünnerem Papier übt, ruiniert sich schnell die Rückseite oder gleich den Tisch darunter.

Auf dem griffigen Aquarellpapier, das ich sonst fürs Handlettering mit der Feder nutze, kratzt die Spitze regelrecht über das Korn und bremst jeden Schwung, beim glatten Marker-Papier des Sketchnotes-Kurses gleitet der Stift dagegen fast widerstandslos, was am Anfang ungewohnt leicht wirkt. Auch die Frage, wie schnell so ein Filzstift sich bei täglichem Gebrauch abnutzt, spielt hier eine andere Rolle als beim Brush Pen, weil die Spitze anders beansprucht wird, aber das ist wieder ein eigenes Thema.

Unperfekt schlägt perfekt: der Denkfehler, den beide Kurse teilen

Ein zentraler Punkt des Kurses, der mich zuerst irritierte, war die bewusste Abkehr von Perfektion. Der Kursleiter wiederholte mehrfach, dass zu saubere Zeichnungen den Lernerfolg sogar bremsen können: Wenn eine Lehrkraft eine fotorealistische Tafelskizze zeichnet, bewundern Schülerinnen und Schüler das Talent, trauen sich aber selten, selbst mitzuskizzieren. Unperfekte, spontane Symbole senken die Hemmschwelle und laden zum Mitzeichnen ein.

Dieses Prinzip nutzt den sogenannten Dual-Coding-Effekt: Das Gehirn behält Informationen besser, wenn sie gleichzeitig verbal und visuell ankommen. Im Kurs übten wir, Text und Bild so zu verzahnen, dass eine klare Hierarchie entsteht, welches Element zuerst gelesen wird und welches nur stützt. In meinem früheren Sketchnotes Kurs für Projektmanager ging es vor allem um Zeitpläne und Meilensteine, hier stand die Vermittlung von Ursache und Wirkung im Vordergrund, ein Unterschied, der bei aller Formähnlichkeit einiges an Zielgruppendenken verlangt.

Sketchnotes-Kurs Übung mit Containern und Pfeilen für visuelle Notizen im Vergleich zum Handlettering.

Christine aus meinem Kreativ-Stammtisch blieb skeptisch, als ich ihr von diesem Kurs erzählte. Für sie zählt nur, was am Ende auf Papier funktioniert, und sie bezweifelt grundsätzlich, dass sich rein digital am Tablet Geübtes eins zu eins auf den Stift überträgt. Beim Sketchnotes-Kurs stellt sich diese Frage kaum, weil von der ersten Übung an mit Stift und Papier gearbeitet wird, das nimmt der Diskussion einiges an Schärfe.

Der Symbolgedanke hat sich bei mir schneller festgesetzt, als ich erwartet hätte. Bei einem Spaziergang durch den Rheinauenpark blieb ich vor einer der Hinweistafeln stehen und erkannte auf einmal, wie konsequent dort mit denselben drei, vier Piktogrammen gearbeitet wird, ein Pfeil, ein Kreis für den Rastplatz, ein einfaches Dreieck für die Böschung. Genau dieses Baukastendenken hatte der Kurs mir eingeimpft, ohne dass ich es beim Zeichnen selbst bemerkt hätte. Reduktion ist oft schwerer als Dekoration, das wurde mir spätestens dort klar.

Technik-Breakdown: Symbole, Farben und die Bikablo-Frage

Ein Haus ist im Kurs nicht einfach ein Haus, sondern ein Symbol für Schutz, Institution oder Zuhause, je nachdem, wie es gerahmt wird. Ich erinnere mich, wie ich auf mein Blatt starrte und dachte: Das ist nur ein Viereck mit einem Dach, aber jeder erkennt sofort eine Schule darin. Früher hätte ich dafür Stunden gebraucht, um das überzeugend hinzubekommen. Diese Erkenntnis spart in der Unterrichtsvorbereitung spürbar Zeit, wenn ein Tafelbild schnell stehen muss.

Bei der Farbwahl bleibt der Kurs streng funktional: meist zwei bis drei Farben, ein grauer Marker für Schatten, eine Signalfarbe für Highlights. Das klassische Mischmodell mit den drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau dient nur als Orientierung, mehr Struktur braucht es nicht, um vom Inhalt nicht abzulenken. Fürs Handlettering hätte ich dagegen kaum weniger als sechs, sieben Farben im Federmäppchen, weil dort Stimmung genauso zählt wie Lesbarkeit.

Ein Exkurs im Kurs widmet sich der Bikablo-Technik, einem international bekannten Standard für visuelle Moderation, an dem sich viele der gezeigten Container und Figuren orientieren. Wer sich für Flipchart-Gestaltung interessiert, findet hier brauchbare Ergänzungen. Fürs Handlettering greift mancher stattdessen zur Faux Calligraphy, bei der ein doppelt gezogener Abstrich den Look eines Brush Pens imitiert, für ein Schul-Piktogramm wäre so ein Aufwand allerdings reiner Overkill. Meine Erfahrung aus dem Handlettering Kurs mit Materialbox half mir zwar bei der Stiftführung, bremste mich beim Sketchnotes-Tempo aber eher aus, weil ich zu sehr auf saubere Kanten achtete.

Sketchnotes-Kurs Symbol für die Lehrerfortbildung: Schulgebäude reduziert auf geometrische Grundformen.

Welcher Kurs lohnt sich für wen?

Meine Nachbarin Elisabeth fragt mich regelmäßig nach Anfängerkursen mit einem ordentlichen PDF-Begleitmaterial zum Nachschlagen. Beim Sketchnotes-Kurs für Lehrer wäre das eine berechtigte Frage, denn wer schon mehrere Handlettering-Kurse nebeneinandergelegt hat, weiß: Modulaufbau und Betreuungsdichte unterscheiden sich mehr, als das Werbematerial verspricht.

Für Lehrkräfte und alle, die komplizierte Inhalte schnell verständlich machen müssen, ist der funktionale Ansatz ein Gewinn, gerade weil er nichts mit künstlerischem Anspruch zu tun hat. Wer dagegen an Buchstabenform, Schwung und der Frage feilen will, wie ein Wort insgesamt wirkt, ist beim klassischen Handlettering besser aufgehoben, die beiden Kurse lösen unterschiedliche Probleme und konkurrieren kaum wirklich miteinander.

Wer regelmäßig vor einer Gruppe steht und in Minuten einen komplexen Sachverhalt an die Tafel bringen muss, sollte zum Sketchnotes-Kurs greifen, die fünf Grundformen sind schneller einsatzbereit als jedes Alphabet. Wer dagegen ein einzelnes Wort, eine Karte oder ein Zitat so gestalten will, dass die Form selbst zur Aussage wird, bleibt besser beim Handlettering und nimmt die längere Übungszeit für Druckkurve und Buchstaben-Anatomie in Kauf. Beides parallel zu üben, wie ich es gerade tue, funktioniert nur, wenn man akzeptiert, dass die Hand ständig zwischen den beiden Systemen umschalten muss. An manchen Abenden gelingt das besser als an anderen, und mein Küchentisch trägt inzwischen die Tintenflecken beider Disziplinen.