Sketchnotes Kurs für Lehrer: Komplexe Inhalte einfach und visuell vermitteln

Sketchnotes Kurs für Lehrer: Komplexe Inhalte einfach und visuell vermitteln

Mitte November saß ich an meinem Küchentisch in Bonn, umgeben von Kaffeeflecken und Entwürfen für ein Brush-Lettering-Projekt. Ich betrachtete meine geschwungenen Buchstaben und stellte fest, dass sie zwar ästhetisch ansprechend waren, aber für die schnelle Informationsvermittlung im Büroalltag kaum taugten. Als Grafikerin neige ich zur Dekoration, doch was ich suchte, war Effizienz. Deshalb meldete ich mich zu einem Sketchnotes-Kurs an, der explizit für Lehrer konzipiert war.

Der Ansatz dieses Kurses unterscheidet sich grundlegend von dem, was ich bisher in meinen Abendstunden geübt hatte. Während es beim klassischen Handlettering auf den perfekten Schwung ankommt, geht es hier um die Reduktion auf das Wesentliche. Ich wollte lernen, wie man komplexe Agentur-Briefings so herunterbricht, wie ein Lehrer eine Biologiestunde an der Tafel visualisiert. Es geht nicht um Kunst, sondern um Kommunikation.

Die Umstellung von Ästhetik auf Effizienz

In den ersten Wochen des Kurses musste ich mich radikal umgewöhnen. Statt eleganter Serifen übte ich nun Container, Pfeile und Strichmännchen. Die Methodik basiert auf den 5 Grundformen der Sketchnotes nach Mike Rohde: Punkt, Linie, Dreieck, Quadrat und Kreis. Aus diesen einfachen Elementen lässt sich fast jedes Objekt der Welt konstruieren. Das klingt banal, ist aber in der praktischen Anwendung unter Zeitdruck eine echte Herausforderung.

Nahaufnahme der 5 Grundformen der Sketchnotes auf glattem Papier gezeichnet.

Ich arbeitete mich systematisch durch die Module. An einem verregneten Abend im März verbrachte ich fast zwei Stunden damit, nur unterschiedliche Arten von Rahmen und Verbindungslinien zu zeichnen. Dabei bemerkte ich das leise, rhythmische Quietschen der Filzspitze auf dem glatten Papier, während ich zum zehnten Mal denselben einfachen Pfeil ziehe. Es ist eine meditative, fast mechanische Arbeit, die wenig mit dem künstlerischen Anspruch meiner sonstigen Projekte zu tun hat.

Besonders wichtig war die Wahl des Materials. Für diese Art des schnellen Zeichnens nutze ich kein strukturiertes Aquarellpapier, sondern glattes Papier mit einer Standard-Grammatur für Marker-Papier von 120 g/m². Diese Stärke verhindert das Durchbluten der Tinte, was besonders bei doppelseitigen Notizen im Lehreralltag entscheidend ist. Wer auf dünnerem Papier arbeitet, ruiniert sich schnell die Rückseite oder den Tisch – eine Erfahrung, die meine Küchentischdecke bereits im Dezember machen musste.

Warum unperfekte Skizzen besser lehren

Ein zentraler Aspekt des Kurses, der mich anfangs irritierte, war die bewusste Abkehr von der Perfektion. Der Kursleiter betonte immer wieder, dass perfekte Zeichnungen den Lernerfolg sogar behindern können. Wenn ein Lehrer eine fotorealistische Darstellung an die Tafel bringt, bewundern die Schüler das Talent, trauen sich aber oft nicht zu, die Inhalte selbst mitzuskizzieren. Unperfekte, spontane Sketchnotes senken die kognitive Hemmschwelle und animieren zum Mitmachen.

Dieses Prinzip nutzt den sogenannten Dual Coding Effekt. Das Gehirn speichert Informationen wesentlich besser ab, wenn sie sowohl verbal als auch visuell präsentiert werden. Im Kurs lernten wir, wie man Text und Bild so verzahnt, dass eine logische Hierarchie entsteht. In meinem früheren Sketchnotes Kurs für Projektmanager lag der Fokus stärker auf Zeitplänen, hier ging es um die Vermittlung von Kausalitäten.

Sketchnote-Übungen mit Containern und Pfeilen in einem Notizbuch mit grauen Schatten.

Nach etwa sechs Wochen täglicher Übung stellte sich ein Wendepunkt ein. Ich war beim Wocheneinkauf und skizzierte meine Liste instinktiv nach der gelernten Struktur. Statt einer unübersichtlichen Textwüste nutzte ich kleine Container für die Abteilungen (Obst, Kühlregal, Drogerie) und verband sie mit logischen Laufwegen. Ich war schneller fertig und übersah nichts. In diesem Moment wurde mir klar: Reduktion ist oft schwerer als Dekoration.

Technik-Breakdown: Symbole und Farbwahl

Der Kurs führt tief in die Symbolik ein. Ein Haus ist nicht einfach ein Haus; es ist ein Symbol für Schutz, Institution oder Heimat, je nachdem, wie es gerahmt wird. Ich erinnere mich, wie ich auf mein Blatt starrte und dachte: 'Birgit, das ist nur ein Viereck mit einem Dach, aber jeder erkennt sofort, dass es eine Schule ist. Warum hast du früher Stunden dafür gebraucht?' Diese Erkenntnis sparte mir in den folgenden Wochen massiv Zeit bei der Vorbereitung von Präsentationen.

Bei der Farbwahl blieb der Kurs streng funktional. Wir arbeiteten meist nur mit zwei bis drei Farben. Das klassische Farbmischmodell mit den 3 Primärfarben Rot, Gelb und Blau dient hier nur als Orientierung. In der Praxis nutzt man oft einen grauen Marker für Schatten und eine Signalfarbe für Highlights. Das reicht völlig aus, um Struktur zu schaffen, ohne vom Inhalt abzulenken.

Ein interessanter Exkurs war die Erwähnung der Bikablo-Technik, ein weltweit anerkannter Standard für visuelle Moderation. Viele der im Kurs gezeigten Figuren und Container lehnen sich an diese klare Formsprache an. Wer sich für die professionelle Gestaltung von Flipcharts interessiert, findet in diesem Bereich wertvolle Ergänzungen. Ich habe auch gemerkt, dass meine Erfahrungen aus dem Handlettering Kurs mit Materialbox mir zwar bei der Stiftführung halfen, mich aber beim Tempo eher ausbremsten, weil ich zu sehr auf die Kantenführung achtete.

Einfaches Sketchnote-Symbol eines Schulgebäudes, reduziert auf geometrische Grundformen.

Fazit nach einem halben Jahr Praxis

Kurz vor den Weihnachtsferien – beziehungsweise dem Äquivalent in meinem Agenturjob – begann ich, Sketchnotes regelmäßig in Meetings einzusetzen. Der Kurs hat meinen Blick auf visuelle Kommunikation nachhaltig verändert. Weg vom reinen Design, hin zur echten Wissensvermittlung. Mein Notizbuch sieht heute weniger nach einer Kunstgalerie aus, dafür verstehe ich meine eigenen Aufzeichnungen auch drei Monate später noch auf einen Blick.

Für Lehrer, aber auch für alle anderen, die Wissen vermitteln müssen, ist dieser funktionale Ansatz ein Gewinn. Es geht nicht darum, Künstler zu werden. Es geht darum, ein visuelles Vokabular aufzubauen, das so selbstverständlich wird wie das Schreiben von Buchstaben. Manchmal ist ein krummer Kreis eben wertvoller als eine perfekt geletterte Überschrift, wenn er hilft, einen Zusammenhang schneller zu begreifen.