Handschrift verbessern mit Handlettering: Welcher Kurs hilft am Küchentisch?

Handlettering-Kurs Vergleich am Küchentisch: Handschrift verbessern mit Brush Pen und Übungsheft

Sieben Wochen lagen zwischen zwei Übungsseiten, die ich neulich nebeneinander auf meinen Küchentisch in Bonn-Beuel gelegt habe, und der Unterschied in der Druckkurve war so deutlich, dass ich kurz nach dem Datum auf dem älteren Blatt gesucht habe, um sicherzugehen, dass ich mich nicht vertan hatte. Die erste Seite: wacklige Abstriche, ein kleines f, das aussah wie eine verbogene Büroklammer. Die aktuelle Seite: ruhige Linien, die wirklich zusammengehören. Genau diesen Sprung wollte ich verstehen, als ich anfing, meine Handschrift über einen Handlettering-Kurs statt über neue Stifte zu verbessern.

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Bevor es um einzelne Kurse geht, eine ehrliche Zwischenbemerkung: Ich habe nicht bei null angefangen. Der erste Anlauf war ein PDF-Schnellkurs, den ich heruntergeladen und nie ausgedruckt habe – er liegt bis heute ungeöffnet auf der Festplatte. Am Bildschirm lernen Buchstaben bei mir offenbar nicht schreiben; das musste ich erst zugeben, bevor überhaupt ein Kurs etwas gebracht hat.

Vom planlosen Stifte-Sammeln zum Handlettering-Kurs mit System

Lange dachte ich, das Geheimnis läge im nächsten Stift. Faserschreiber, Brush Pens, ein Aquarellstift, den ich kaum benutzt habe – meine Federmappe wuchs schneller, als sich meine Schrift veränderte. Kreativ lernen heißt bei mir vor allem wiederholen, bis der Stift die Bewegung von selbst findet, nicht bis zur nächsten Idee weiterscrollen. Wie viele Seiten ein Abend bringt, hängt vom Tag ab – manchmal sind es zwei Zeilen, manchmal ein ganzes Blatt, und beides zählt, solange es regelmäßig passiert.

Im Handlettering Kurs von Timothy90 wird genau diese Systematik zum Programm: erst Grundstriche, dann Buchstabenteile, dann ganze Wörter, jede Lektion baut sichtbar auf der vorherigen auf. Kein Alphabet zum Abpausen, sondern ein Aufbau, der Schritt für Schritt nachvollziehbar bleibt, auch wenn man am Anfang – wie ich – noch nicht sieht, wohin die Übung führt.

Brush-Pen-Technik in Nahaufnahme: Pinselspitze im richtigen Anstellwinkel auf glattem Lettering-Papier

Die Brush-Pen-Technik hängt am Papier, nicht am Preis

Ein regnerischer Nachmittag brachte die nächste Lektion: normales Kopierpapier und ein nagelneuer Brush Pen vertragen sich nicht, die Spitze franste binnen weniger Seiten aus, weil die raue, saugfähige Oberfläche wie Schmirgelpapier wirkt. Seitdem zählt für mich vor allem eine glatte, gestrichene Grammatur, alles andere kostet nur Filzfasern und Nerven.

Mittagspausen-Spaziergänge über die Poppelsdorfer Allee gehören inzwischen zur Woche dazu, geübt wird aber ausschließlich am Küchentisch, mit Papier, das ich nach Sorte trenne und mit Wäscheklammern an den Kanten markiere, damit sich glatte und raue Bögen nicht wieder vermischen.

Wie wird man als Linkshänderin das Verschmieren los?

Als Linkshänderin hatte ich ein Problem, das in den meisten Workshops kaum vorkommt: Die Hand zieht über die frische Tinte, statt sich von ihr wegzubewegen. Anfangs bedeutete das blaue Handballen und Buchstaben, die aussahen, als hätte jemand mit dem Finger noch einmal drübergewischt. Ich habe die Papierlage gedreht und den Arm anders angewinkelt; es hat eine Weile gedauert, bis sich die neue Haltung nicht mehr fremd anfühlte. Wer genauer wissen will, wie sich Verspannungen durch eine veränderte Handhaltung vermeiden lassen, findet das im Artikel über Rückenschmerzen beim Handlettering vermeiden.

Handschrift verbessern als Linkshänderin: richtige Handhaltung beim Handlettering gegen Verschmieren der Tinte

Eine Leserin namens Andrea Helbig hat mir vor einiger Zeit über das Kontaktformular geschrieben, weil sie als Linkshänderin mit demselben Verwischen kämpft. Sie testet ihre Stifte inzwischen genauso systematisch wie ich meine Papierstapel, mit einer Liste, die inzwischen länger ist als meine eigene.

Welcher Kurs hilft wirklich am Küchentisch?

Nach mehreren Monaten mit unterschiedlichen Materialien und Ansätzen zeichnet sich ein klares Bild ab. Der Handlettering Kurs bleibt mein Ausgangspunkt, weil er auf Technik statt auf fertige Vorlagen setzt; das kostet mehr Geduld, zahlt sich aber in einer Handschrift aus, die auch ohne Vorlage funktioniert.

Wer lieber am iPad statt am Küchentisch arbeitet, findet im Digital Lettering Kurs den technisch saubereren Weg. Meine Kollegin Ursula Kettner, die inzwischen samstags mit am Tisch sitzt, bevorzugt ohnehin digitale Notizen gegenüber Papier-Übungsblättern; entsprechend neugierig beobachtet sie diesen Kurs, auch wenn wir beide bislang meistens mit Papier und Tinte üben.

Für alle, die eher visuelle Notizen als schöne Handschrift suchen, ist der Sketchnotes Kurs die naheliegendere Wahl, auch wenn das eine andere Baustelle ist als das, worum es in diesem Vergleich geht.

Wenn gerade kein Brush Pen griffbereit ist, greife ich zur Faux Calligraphy: Dicke Abstriche werden einfach mit einem gewöhnlichen Fineliner nachgezeichnet, ganz ohne flexible Spitze. Mehr dazu steht im Artikel Faux Calligraphy lernen.

Fazit: Fortschritt in Wochen, nicht in Werkzeugen

Um die siebte Woche herum wurde der Unterschied zum ersten Mal deutlich sichtbar – nicht als große Erleuchtung, sondern beim stillen Nebeneinanderlegen zweier Übungsseiten auf dem runden Tisch, dessen Oberfläche längst mehr Schneidematten-Kratzer als Lack zeigt. Perfekt ist meine Handschrift immer noch nicht, aber sie hat eine Struktur, die vorher gefehlt hat.

Wer seine Handschrift verbessern will, sollte nicht beim teuersten Stift anfangen, sondern bei einem Kurs, der die Buchstabenkonstruktion ernst nimmt – das lohnt sich langfristig mehr als jeder Trend-Stift. Unsicher, welcher Stil eher passt? Orientierung gibt der Vergleich Moderne Kalligrafie oder Brush Lettering.

Die Tischdecke bleibt vermutlich für immer ein Übungsfeld für Tintenflecke, aber sie werden seltener. Für alle, die bereit sind, ein paar Abende in reine Grundstriche zu stecken, bleibt der Handlettering Kurs meine ehrliche Empfehlung: nicht der schnellste Weg, aber der, der wirklich hält.