
Es ist spät abends an meinem Küchentisch in Bonn. Zwischen ein paar eingetrockneten Kaffeeflecken und wild verstreuten Skizzenblättern liegt ein Haufen Brush Pens, deren Spitzen ausgefranst sind, weil ich sie auf dem falschen Papier benutzt habe. In diesem Moment, mitten im November letzten Jahres, wurde mir klar: Ich will eigentlich gar nicht ständig neues Material kaufen müssen, um schöne Buchstaben zu schreiben. Ich wollte die Kontrolle zurück, die mir mein alter Fineliner gibt.
Transparenzhinweis: Ich habe mich durch verschiedene Angebote gearbeitet, um herauszufinden, was wirklich funktioniert. Einige Links in diesem Text sind Affiliate-Links. Wenn du darüber einen Kurs buchst, erhalte ich eine Provision – für dich ändert sich am Preis natürlich nichts. Ich empfehle hier nur, was ich über Wochen am eigenen Küchentisch getestet und für sinnvoll befunden habe.
Der Frust mit der Pinselspitze und die Suche nach System
Als ich 2023 mit dem Lettering anfing, dachte ich, der Stift macht die Kunst. Aber Brush Pens sind Diven. Wenn der Winkel nicht stimmt oder das Papier eine Nuance zu rauh ist, sieht das Ergebnis aus wie gewollt und nicht gekonnt. Faux Calligraphy – also die 'falsche' Kalligrafie – schien mir anfangs wie eine Notlösung für Leute zu sein, die den echten Pinselstrich nicht beherrschen. Ein Irrtum, wie ich feststellen musste.
An einem verregneten Wochenende im Februar saß ich vor meinem Laptop und suchte nach einem Weg, meine Handschrift systematischer zu verbessern. Ich wollte wissen, wie man den Look einer Spitzfeder imitiert, ohne sich mit Tintenfässern und empfindlichen Federn herumzuschlagen. Die Technik ist simpel: Man schreibt ein Wort ganz normal vor und verdoppelt nachträglich alle Linien, die nach unten führen. Aber genau hier liegt die Falle. Wer einfach nur Linien dranklatscht, ruiniert die Balance der Typografie.

Warum der Handlettering Kurs das Fundament legte
Ich habe mich schließlich für den /top/main entschieden. Eigentlich ist das ein Kurs, der klassisch mit dem Brush Pen arbeitet. Aber für mich war der entscheidende Punkt die Vermittlung der Buchstabenanatomie. Bevor man Druck vortäuschen kann, muss man verstehen, wo er hingehört. In dem Kurs werden die 8 Grundstriche des Letterings bis zum Umfallen geübt. Das sind die Bausteine, aus denen fast jeder Buchstabe besteht: der Aufstrich, der Abstrich, der Umkehrpunkt und so weiter.
Nach etwa sechs Wochen systematischer Übung klickte es bei mir. Ich merkte, dass ich die Technik des Kurses – den gezielten Druckaufbau und die präzise Strichführung – eins zu eins auf meinen Kugelschreiber und meine Fineliner übertragen konnte. Ich lernte nicht nur, wie man einen Pinsel hält, sondern wie Buchstaben aufgebaut sind. Das ist ein Wissen, das man auch im Brush Lettering Fehler vermeiden: Was ich in verschiedenen Kursen gelernt habe Artikel oft vermisst, wenn man nur YouTube-Tutorials schaut.
Die Wahl des Werkzeugs: 0.3 mm Präzision
In der Grafikagentur in Bonn arbeiten wir oft mit sehr feinen Stiften. Für Faux Calligraphy zu Hause habe ich festgestellt, dass ein Fineliner mit einer Strichstärke von 0.3 mm ideal ist. Er ist fein genug für die dünnen Aufstriche, bietet aber genug Kontrolle, um die Abstriche präzise auszumalen. Wenn man die Konturen für die Fake-Verdickungen zieht, will man keine zittrigen Ränder.
Ein weiterer technischer Aspekt, den ich oft unterschätzt habe, ist das Papier. Viele Anfänger nutzen normales Kopierpapier, aber das saugt die Tinte auf wie ein Schwamm. Ich nutze mittlerweile fast nur noch Papier mit einem Gewicht von 120g/m² und einer sehr glatten Oberfläche. Das leise, rhythmische Kratzen des 0.3 mm Fineliners auf dem glatten 120g-Papier in der stillen Küche hat fast etwas Meditatives, wenn die Kinder im Bett sind und die Agentur-Deadline vergessen ist.

Die unpopuläre Wahrheit: Fangt mit dem Bleistift an
Hier kommt mein persönlicher Rat, den man in kaum einem Hochglanz-Lehrbuch findet: Wer wahre Kontrolle bei der Faux Calligraphy lernen will, sollte den Fineliner erst einmal weglegen und zu einem simplen, billigen Bleistift greifen. Warum? Weil man mit dem Bleistift die Linien erst einmal nur hauchzart skizzieren kann. Man kann korrigieren, radieren und die Proportionen anpassen, bevor man sich mit der permanenten Tinte festlegt.
Ich habe ganze Abende damit verbracht, nur mit einem HB-Bleistift die Abstriche zu verdoppeln. Man entwickelt ein Gefühl für die Abstände zwischen den Buchstaben (das sogenannte Kerning), ohne dass man Angst hat, das Blatt zu ruinieren. Wenn die Bleistift-Skizze steht, ist das Nachfahren mit dem Fineliner nur noch Formsache. Wer direkt mit dem Stift loslegt, neigt dazu, die Abstriche zu dick zu machen, was das Wort klobig wirken lässt. Ein häufiger Fehler ist auch das Verdoppeln der Aufstriche – das zerstört die optische Balance sofort.
Wenn die Müdigkeit zuschlägt: Der 'w'-Moment
Trotz aller grafischen Ausbildung bin auch ich nicht vor dummen Fehlern gefeit. Ich erinnere mich an einen Abend Ende Mai. Ich wollte eine Dankeskarte für eine Kollegin fertigstellen. Ich war müde, der Arbeitstag war lang, und ich saß schon fast zwei Stunden über dem Entwurf. In diesem Moment setzte ich den Abstrich beim 'w' auf der völlig falschen Seite an. Ich habe die Linie verdoppelt, die eigentlich hauchdünn hätte bleiben müssen.
Das gesamte Layout kippte optisch nach links weg. In der Faux Calligraphy verzeiht das Auge keine Asymmetrie bei den Gewichten. Ich musste das ganze Blatt wegwerfen. Das ist der Moment, in dem ich über meine eigenen tintenverschmierten Finger und die Tatsache lachen muss, dass ich als Profi-Grafikerin an einem einzelnen Buchstaben scheitere. Aber genau das ist der Lernprozess. Man muss wissen, wo die Anatomie aufhört und das Schwindeln anfängt.

Vergleich der Kurs-Ansätze für Faux Calligraphy
Wenn man systematisch lernen will, stellt sich die Frage: Welcher Kurs bringt einen wirklich weiter? Hier ist meine Einschätzung basierend auf den letzten acht Monaten Praxis:
- Der Allrounder: Der /top/main ist mein Favorit, weil er die Grundlagen so tiefgehend behandelt, dass man sie auf jedes Schreibwerkzeug anwenden kann. Er ist stabil aufgebaut und bietet einen klaren roten Faden. Wer das Fundament sucht, ist hier richtig.
- Für Tablet-Fans: Wer lieber digital arbeitet, sollte sich den /top/alt-1 ansehen. Faux Calligraphy am iPad hat den Vorteil, dass man Ebenen nutzen kann, aber das haptische Gefühl von Papier fehlt mir persönlich dabei oft.
- Für Pragmatiker: Wenn es weniger um Ästhetik und mehr um Struktur geht, ist der /top/alt-2 eine Überlegung wert. Dort lernt man, wie man Schrift schnell und funktional einsetzt, was eine gute Ergänzung zur eher dekorativen Faux Calligraphy ist.
Für mich persönlich war der Weg über die klassische Buchstabenanatomie der Schlüssel. Wenn man einmal verstanden hat, wie die 8 Grundstriche funktionieren, kann man sie mit jedem Stift der Welt imitieren. Wer mehr über die Unterschiede wissen will, kann auch in meinen Moderne Kalligrafie oder Brush Lettering lernen: Welcher Kurs passt zu dir? Vergleich reinschauen.

Fazit: Der Küchentisch bleibt vollgekleckert
Mein Küchentisch in Bonn sieht nach einem Wochenende immer noch aus wie ein Schlachtfeld aus Tinte und Papierresten. Aber meine Notizbücher und Karten sehen jetzt aus, als kämen sie direkt aus einer professionellen Setzerei. Der Handlettering Kurs war für mich das nötige Fundament, um zu verstehen, dass es nicht auf den teuren Brush Pen ankommt, sondern auf das Wissen um den Strich.
Faux Calligraphy ist kein Mogeln – es ist die bewusste Gestaltung von Buchstabenform. Wenn du also keine Lust mehr auf ausgefranste Pinselspitzen hast, schnapp dir einen 0.3 mm Fineliner, ein glattes 120g-Papier und fang an, die Anatomie zu studieren. Es lohnt sich, auch wenn man zwischendurch mal ein 'w' verhaut. Wenn du direkt mit einem strukturierten Plan starten willst, kann ich dir den /top/main wirklich ans Herz legen. Er hat mir geholfen, die Logik hinter den Schwüngen zu verstehen, die ich früher nur kopiert habe.