
Zwei Kurse, dreifacher Zeitaufwand, gleiches Ergebnis? An einem verregneten Abend Mitte November saß ich an meinem Küchentisch und starrte auf eine chaotische Liste aus Agentur-Deadlines und Einkaufszetteln. Als Grafikerin in einer Bonner Agentur besitze ich zwar das nötige Werkzeug, aber meine Selbstorganisation war ein Trümmerhaufen. Mein im Urlaub gelernter Brush-Lettering-Stil war zwar dekorativ, aber für die schnelle Planung im Alltag schlicht zu langsam.
Bevor wir tiefer in die Materie einsteigen: In diesem Bericht findest du Links zu den Kursen, die ich über Monate getestet habe. Wenn du über diese Links kaufst, erhalte ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich empfehle hier ausschließlich Inhalte, die ich an meinem eigenen Küchentisch systematisch durchgearbeitet habe.
Vom Buchstaben zum Symbol: Warum Schönschrift allein nicht reicht
In den ersten Monaten meines Hobby-Daseins habe ich mich fast ausschließlich auf die Anatomie von Buchstaben konzentriert. Ich verbrachte Stunden mit Aufstrichen und Abstrichen. Doch in dem Moment, in dem ich meinen Planer für die Woche vorbereiten wollte, stieß ich an Grenzen. Eine To-Do-Liste in aufwendigem Handlettering zu verfassen, dauert länger, als die Aufgaben tatsächlich zu erledigen. Das ist die Falle, in die viele tappen, die mit dem Handlettering Kurs beginnen und dann versuchen, dieses Wissen eins zu eins auf ihr Zeitmanagement zu übertragen.
Ich suchte nach einer Brücke zwischen meiner Liebe zur Tinte und der praktischen Notwendigkeit, meinen Teilzeit-Job und das Familienleben zu strukturieren. Dabei stieß ich auf die Sketchnotes. Das Prinzip ist simpel: Ideen über Kunst. Es geht nicht darum, ein perfektes Bild zu malen, sondern Informationen visuell so aufzubereiten, dass das Gehirn sie schneller verarbeiten kann. In der Wissenschaft nennt man das die Dual-Coding-Theorie. Sie besagt, dass die Kombination aus Wort und Bild die Merkfähigkeit signifikant erhöht.

Das Werkzeug: Weniger ist mehr bei der Planung
Während ich beim Lettering oft ein Dutzend Brush Pens in allen Farben auf dem Tisch liegen hatte, reduzierte ich mein Setup für die Sketchnotes radikal. Wer seinen Alltag organisieren will, braucht kein 50-teiliges Set. In meiner Praxis haben sich drei Fineliner-Stärken als Standard etabliert: 0.1 mm für feine Details und Text, 0.3 mm für normale Konturen und 0.5 mm für Überschriften oder dicke Rahmen. Der Geruch von frischem Permanentmarker und das leise Kratzen der 0.3er Spitze auf dem glatten Papier meines Planers im A5-Format sind für mich mittlerweile das Signal, dass die Planung beginnt.
Ich habe aufgehört, billige Filzstifte aus dem Supermarkt zu verwenden. Sie bluten auf dem typischen Papier von Notizbüchern oft durch und zerstören die Rückseite. Ein guter Fineliner muss wasserfest sein, falls man später mit einem Textmarker darübergeht. Wer viel am Schreibtisch sitzt, sollte zudem auf die Ergonomie achten, um Verspannungen zu vermeiden. Tipps dazu finden sich im Beitrag über Rückenschmerzen beim Handlettering vermeiden.
Die Technik: Container, Connectors und Symbole
Im Sketchnotes Kurs lernte ich, dass alles auf Basiseformen beruht: Kreis, Quadrat, Dreieck, Linie und Punkt. Ein entscheidender Moment war für mich, als ich lernte, Aufgaben in sogenannte Container zu setzen. Statt einer Liste mit zwanzig Punkten zeichne ich heute drei große Rahmen. Ein Rahmen für die Agentur, einer für Privates, einer für meine kreativen Projekte. Das spürbare Nachlassen der Anspannung im Nacken, als die endlose To-Do-Liste plötzlich in drei klare Container sortiert war, war ein echter Durchbruch.
Die Technik des Zeichnens unterscheidet sich grundlegend vom Brush Lettering. Man arbeitet ohne Druckvarianz. Die Strichführung ist nüchterner. Ein Container wird mit vier klaren Strichen gezogen. Wenn man dann noch Connectors – also einfache Pfeile – nutzt, um Abhängigkeiten zwischen Aufgaben zu zeigen, entsteht eine visuelle Landkarte des Tages. Das ist besonders hilfreich, wenn der kognitive Druck hoch ist.

Besondere Anforderungen: Sketchnotes im Schichtdienst
Ein interessanter Aspekt, der mir während meiner Recherche auffiel, betrifft Menschen mit extrem unregelmäßigen Arbeitszeiten, wie etwa Pflegekräfte im Schichtdienst. Standard-Planungsmethoden, die auf einem starren 9-to-5-Rhythmus basieren, scheitern hier oft. Wenn man nach einer Nachtschicht völlig erschöpft ist, ist die visuelle Hierarchie von Sketchnotes ein Rettungsanker. Ein großes Symbol für "Ruhephase" oder ein klarer Container für die "Übergabe" wird vom Gehirn schneller erfasst als ein langer Textblock.
Diese Zielgruppe profitiert massiv davon, komplexe Abläufe in einfache Icons zu übersetzen. Ein kleiner Kaffeepott für die Pause, ein Stethoskop für die Visite. Es geht um Geschwindigkeit und Klarheit bei hoher Erschöpfung. Wer beruflich noch tiefer in diese Materie einsteigen möchte, findet in dem Artikel über den Sketchnotes Kurs für Projektmanager weitere spezifische Ansätze für die Prozessplanung.
Scheitern und Fortschritt: Die verschrumpelte Zitrone
Natürlich lief nicht alles sofort perfekt. Ende Februar saß ich an einer Übung zum Thema Ideen-Visualisierung. Mein erster Versuch, eine Glühbirne für "Ideen" zu zeichnen, sah eher aus wie eine verschrumpelte Zitrone mit Stromschlag. Ich habe etwa vier Wochen gebraucht, um ein Repertoire an Symbolen aufzubauen, das ich ohne langes Nachdenken abrufen kann. Man nennt das den Aufbau eines visuellen Vokabulars.
Der Fortschritt zeigt sich nicht in der Schönheit der Zeichnung, sondern in der Zeitersparnis beim Planen. Während ich früher zehn Minuten brauchte, um meinen Tag schriftlich zu sortieren, schaffe ich das heute in drei Minuten mit ein paar Symbolen und Containern. Mein Küchentisch ist zwar immer noch gelegentlich mit Tintenklecksen übersät – sehr zum Leidwesen meiner Tischdecken –, aber die Struktur in meinem Kopf ist deutlich stabiler geworden.

Digital oder Analog: Die Wahl des Mediums
Gelegentlich wechsle ich an das iPad. Im Digital Lettering Kurs lernt man den Umgang mit Ebenen und verschiedenen Brushes. Für die tägliche Selbstorganisation bleibe ich jedoch meist beim Papier. Die Haptik und die Unmittelbarkeit von Stift auf Papier helfen mir beim Denken. Digital neige ich dazu, mich in Details zu verlieren, da man dort theoretisch bis zu 128 Ebenen nutzen könnte, was für eine einfache Tagesplanung völlig kontraproduktiv ist.
Wer jedoch seine Sketchnotes später für Präsentationen oder digitale Protokolle nutzen möchte, für den ist der digitale Weg unumgänglich. Der Workflow vom schnellen Entwurf auf Papier hin zur Reinzeichnung am Tablet ist eine Technik, die ich erst nach etwa sechs Monaten Übung richtig verinnerlicht habe.
Ein Fazit nach acht Monaten
Eines Samstagmorgens im Mai saß ich mit meinem fertigen Wochenplan da und merkte, dass ich zum ersten Mal seit Langem keine Angst vor der kommenden Arbeitswoche hatte. Sketchnotes haben mich nicht zu einer besseren Künstlerin gemacht – dafür ist mein Handlettering Kurs zuständig – aber sie haben mich zu einer ruhigeren Person gemacht. Die visuelle Ordnung auf dem Papier überträgt sich direkt auf das Wohlbefinden.
Wenn du das Gefühl hast, dass deine To-Do-Listen dich eher erschlagen als befreien, empfehle ich dir den Einstieg über den Sketchnotes Kurs. Es ist eine Investition in die eigene Klarheit, die weit über das Hobby hinausgeht. Fang klein an, akzeptiere die verschrumpelten Zitronen und finde dein eigenes System aus Containern und Symbolen. Dein Küchentisch wird es überleben, dein Zeitmanagement auch.