Bounce Lettering lernen: Der passende Online Kurs für schwungvolle Buchstaben

Bounce Lettering lernen am Küchentisch: Buchstaben mit Schwung im Handlettering-Kurs geübt

Ein Abend Kalligraphie an der Volkshochschule und ein Abend mit einem Online-Handlettering-Kurs kosten mich ungefähr die gleiche Zeit am Küchentisch, und trotzdem hat mir nur einer der beiden den Schwung gebracht, den ich für Bounce Lettering brauchte. Der Kalligraphie-Kurs blieb komplett beim Federhalter, während Bounce Lettering vom Brush Pen lebt und von einer eigenen Logik, wie man die Grundlinie bewusst verlässt. Wer wie ich aus dem klassischen Brush-Lettering-Lernen kommt und jetzt schwungvollere Buchstaben will, muss diesen Unterschied verstehen, bevor irgendein Kurs überhaupt etwas bringt.

Kurzer Hinweis vorab: Manche Links in diesem Beitrag sind Affiliate-Links zu Kursen, die ich selbst gebucht und durchgearbeitet habe. Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass für dich ein Aufpreis entsteht. Empfohlen wird hier nur, was am eigenen Küchentisch tatsächlich etwas gebracht hat.

Bounce Lettering und klassisches Brush Lettering: kein Zufall, sondern eine Regel, die man bricht

Bounce Lettering unterscheidet sich von geradem Brush Lettering vor allem durch die Grundlinie. Buchstaben laufen nicht mehr exakt auf einer Höhe, sondern springen an bestimmten Übergängen bewusst nach oben oder unten. Was dahinter steckt, lässt sich mit der x-Höhe als Maßstab kurz greifen: Sobald man diesen Korridor gezielt an einzelnen Buchstaben verlässt, statt ihn überall einzuhalten, entsteht der Bounce-Effekt. Die genaue Anatomie der Buchstaben, Ober- und Unterlängen, Serifen, erkläre ich hier bewusst nicht im Detail, dafür gibt es andernorts ein eigenes Glossar. Wichtiger für den Einstieg: Wer die Regel nicht erst richtig gelernt hat, kann sie auch nicht gezielt brechen, sonst wirkt der Bounce zufällig statt gestaltet.

Viele kostenlose Bounce-Anleitungen greifen genau an dieser Stelle zu kurz. Sie zeigen, wohin der Buchstabe springt, aber nicht, warum genau dort und nicht zwei Millimeter weiter. Der Druckaufbau beim Auf- und Abstrich spielt zusätzlich eine Rolle, die ich an anderer Stelle ausführlicher behandle, hier reicht der Hinweis, dass ein Bounce ohne sauberen Druckwechsel holprig bleibt statt geschwungen.

Brush-Pen-Spitze beim Schwung eines Buchstabens, Nahaufnahme aus der Übung fürs Brush-Lettering-Lernen

Reicht ein Kalligraphie-Kurs an der Volkshochschule für Bounce Lettering?

Vor dem Kurs an der Volkshochschule hatte ich mir ein Buch über Schriftrhythmus aus der Stadtbücherei Bonn ausgeliehen, in der Hoffnung, darüber wenigstens die Theorie zu verstehen. Für den Kopf hat das funktioniert, aber die Hand lernt Bounce Lettering nicht aus einem Buch, sondern nur mit Stift auf Papier, deshalb der Anlauf über den Abendkurs.

Kurze Antwort: nein, jedenfalls nicht der Kurs, den ich besucht habe. Der Abendkurs war komplett auf Federhalter und klassische Kalligraphie ausgelegt, Spitzfeder, Tinte aus dem Fass, gleichmäßige Buchstabenreihen nach Vorlage. Für die Handhaltung und für ein Gefühl für Auf- und Abstrich war das nicht wertlos, aber auf Bounce Lettering mit dem Brush Pen ließ sich davon fast nichts übertragen. Der Federhalter reagiert anders auf Druck als eine Brush-Pen-Spitze aus Filz, und die Übungen im Kurs gingen mit keinem Wort auf das bewusste Verlassen der Grundlinie ein.

Jürgen Fromm, den ich regelmäßig im Künstlerbedarfsladen treffe, hätte mir das vermutlich vorher sagen können. Er hält von Brush Pens ohnehin wenig und schwört bis heute auf klassische Stahlfedern, was die Sache für ihn natürlich einfacher macht.

Welcher Online-Kurs bringt wirklich Schwung in die Zeile?

Kostenlose YouTube-Tutorials zeigen meistens nur das fertige Ergebnis: Jemand schreibt ein geschwungenes Wort, man schaut zu und versucht es nachzumachen, ohne die Logik dahinter zu verstehen. Ein strukturierter Handlettering Kurs hat bei mir den Unterschied gemacht, weil er den Bounce nicht als Trick behandelt, sondern als gezielte Abweichung von der Grundlinie erklärt, inklusive der Übergänge, an denen ein Sprung nach unten überhaupt funktioniert, ohne dass das Wort auseinanderfällt. Für mich war das der erste kreative Online-Workshop, der Bounce Lettering nicht nur vorführt, sondern auch begründet. Wie genau sich die Kursstruktur einzelner Anbieter unterscheidet, Videolänge, Aufbau der Module, Reihenfolge der Übungen, ist ein eigenes Thema, das ich an anderer Stelle ausführlicher vergleiche.

Vergleich von geraden und schwungvollen Handlettering-Buchstaben im Übungsheft

Wer bereits das klassische Brush Lettering beherrscht, kommt beim Wechsel zu Bounce vermutlich schneller voran als komplette Anfänger, trotzdem lohnt sich der komplette Kurs, weil die Buchstaben-Grundlagen darin noch einmal aus einer anderen Perspektive erklärt werden. Wie viel Übungsvolumen bis zu sichtbarem Fortschritt tatsächlich nötig ist, hängt stark vom eigenen Tempo ab und verdient eine eigene Betrachtung, pauschale Wochenangaben halte ich für wenig ehrlich. Was so ein Kurs am Ende pro Übungsstunde bringt, rechne ich an anderer Stelle vor, hier nur so viel: gemessen an den Abenden, die vorher mit Kalligraphie-Kurs und Streaming-Tutorials draufgingen, kam ich mit dem strukturierten Kurs schneller ans Ziel. Wer über Bounce hinaus verschiedene Schriftstile ausprobieren will, findet dazu mehr in meinem Vergleich für verschiedene Schriftstile.

Papier und Stift kurz sortiert

Ein technischer Punkt noch, kurz und ohne große Materialschlacht: Brush Pens brauchen glattes, gestrichenes Papier, raue Oberflächen zerlegen die feinen Filzspitzen erstaunlich schnell. Welches Papier im Detail am besten mit welchem Stift harmoniert, habe ich in einem eigenen Test durchgespielt, das ist ein Thema für sich. Für Bounce Lettering gilt zusätzlich: Je glatter das Papier, desto leichter der Schwung beim Sprung nach unten, weil der Stift nicht hakt, sobald die Kurve enger wird.

iPad, Papier oder Sketchnotes wählen

Wer ohnehin lieber am iPad arbeitet, könnte stattdessen zum Digital Lettering Kurs greifen, der Bounce-artige Schwünge über Procreate und verschiedene Brush-Settings in Layern aufbaut, statt mit echter Tinte zu arbeiten. Michael, ein Freund aus Studienzeiten und mittlerweile Grafiker in Köln, versteht meine analoge Übungsroutine mit Tinte und Papier ohnehin nicht ganz und fragt regelmäßig, warum ich nicht einfach digital übe, wo sich jeder Fehler mit einem Klick rückgängig machen lässt. Der Wechsel zwischen analogem Üben und digitalem Nachbauen funktioniert durchaus, verlangt aber eine eigene Eingewöhnung, die ich an anderer Stelle vertiefe, statt sie hier nur anzureißen.

Brush Pens und Tracking-Journal aus dem kreativen Online-Workshop zum Schriftdesign-Hobby

Für alle, denen es weniger um schöne Schrift und mehr um schnelle Visualisierung geht, gibt es außerdem den Sketchnotes Kurs. Bounce Lettering spielt darin praktisch keine Rolle, dafür geht es um eine eigene Symbol-Bibliothek, die ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefe. Beide Kurse stammen vom selben Vendor, Timothy90, der seit mehreren Jahren stabil auf Digistore24 aktiv ist und die Inhalte laufend pflegt, was bei einem einmalig bezahlten Kurs kein kleiner Punkt ist.

Was am Ende in der Kartenschublade landet

Getrocknete Tinte klebt inzwischen ständig an den Fingerkuppen, leicht klebrig, und blättert beim Abwaschen in kleinen dunklen Krümeln ab, so viel zum Preis der Übung. Vor ein paar Tagen fragte mein Mann nach einer Geburtstagskarte, die gerade frisch vom Küchentisch kam, und sein Blick blieb einen Moment länger an den Buchstaben hängen, als ich das von ihm gewohnt bin. Ob das schon ein eigener Stil ist, wage ich nicht zu behaupten, das ist ohnehin eine andere Frage, die getrennt betrachtet gehört.

Wer selbst einsteigen will, sollte trotzdem nicht direkt bei Bounce anfangen. Erst die Grundstriche sauber sitzen lassen, dann die x-Höhe gezielt brechen, sonst wirkt der Schwung wie ein Unfall statt wie Gestaltung. Als solide Basis für genau diesen Weg kann ich weiterhin den Handlettering Kurs empfehlen, inklusive der Geduld, die man für den Küchentisch und für mehr als eine ruinierte Tischdecke braucht.